Feuchtwiesenmusik – die Sumpfschrecke gibt den Ton an

Der Tau schimmert noch auf den Feuchtwiesen, wenn morgens die Sonne ihre wärmende Kraft entfaltet. Viele kleine und große Insekten flüchten springend, fliegend und krabbelnd, sollte jemand einen Schritt in das unter der wärmenden Sonne erwachende Grünland setzen. Unter ihnen könnte sich auch ein ganz besonderer Bewohner der Feuchtwiese befinden: die Sumpfschrecke (Stethophyma grossum). Sie ist mit ihren bis zu 3 Zentimetern Länge eine der größten Heuschreckenarten unserer Region. Auffallend ist der sehr gute Flieger auch durch seine besondere Färbung: Eine gelb- bis olivgrüne Grundfärbung mit leuchtend roten Hinterschenkel-Innenseiten und schwarzen Knien. Ihr Gesang ist einzigartig in der Heuschreckenwelt. Es ist kein Zirpen, sondern eher ein Knipsen, wie wenn man die Fingernägel gegeneinander schnipst. Diesen Ton erzeugt die Sumpfschrecke, indem sie ein Hinterbein, das mit Dornen besetzt ist, am Flügel vorbeischnellen lässt. Wenn man bedenkt, wie klein so ein Heuschreckenbein ist, ist es umso erstaunlicher, dass der "Gesang" der Sumpfschrecke bis zu 15 Meter weit hörbar ist. Von den Männchen wird diese Musik vor allem genutzt, um Weibchen anzulocken. Wenn das Werben um das Weibchen Erfolg hatte, legt dieses seine Eier an Grashalmen ab. Dabei ist es wichtig, dass die Eier nicht trocken werden. Der Lebensraum der Sumpfschrecke sollte also genug Feuchtigkeit aufweisen. Man kann die Sumpfschrecke vor allem in strukturreichen Feucht- und Nasswiesen und sumpfigen Bereichen entlang von Gräben und Bächen antreffen. Hier im Uedemerbruch gibt es solche Feuchtwiesen. Mit etwas Glück können Sie an sonnigen Tagen den eigenartigen "Gesang" der Sumpfschrecken hören.

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Quellen: Beckmann, A., Fartmann, T., Fischer, J., Poniatowski, D., Steinlechner, D., Stettmer, C., Zehm, A. (2016): Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols. Herausgeber Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL). – Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim, 367 S.

 ZHAW Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften, Orthoptera.ch, Andreas Garzotto GmbH (2015): Orthoptera – App zum Bestimmen und Erfassen. Version 1.1, Winterthur, Switzerland.