Die „Momm-Niederung“

Typischer Anblick in der Momm-Niederung: Kopfbäume

Das Naturschutzgebiet „Momm-Niederung“ in Voerde umfasst circa 600 Hektar und zieht sich von Götterswickerhamm in einer breiten, weit geschwungenen Schlinge bis nach Mehrum. Ein wahres Kleinod! Namensgebend für diese Landschaft ist der Mommbach, der hier einem früheren Verlauf des Rheins folgt.

Das Rheinvorland war auch früher schon regelmäßigen Überschwemmungen ausgesetzt, wobei die eingetragenen Nährstoffe üppige Auenwälder wachsen ließen. Einzelne, höher liegende „Inselterrassen“ machten den Menschen eine Besiedlung der Niederterrassenbereiche damals trotz Hochwassergefahren möglich. Löhnen, Ork und Mehrum gehören zu den ältesten Ortsteilen von Voerde, da diese Bereiche leicht erhöht und durch künstlich aufgeschüttete Warften auch dem Hochwasser fern lagen. Löhnen gilt mit den verbliebenen Nebenanlagen der historischen Wasserburganlage „Haus Löhnen“ als das südlichste Warftendorf am Rhein.

Zur Kultivierung der Niederung wurden die Auenwälder ab der zweiten Hälfte des Mittelalters großflächig gerodet und in Schläge, also Flurstücke aufgeteilt. Straßennamen wie „Holzweg“ und „In den Schlägen“ zeugen noch von dieser Zeit. Der Ortsname Löhnen weist darauf hin, dass für die Schaffung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und für den Bau von Siedlungen auch Entwässerungsgräben angelegt wurden, denn der Begriff Lohne oder Lönne bedeutet so viel wie Graben, Vertiefung. Vor Überflutungen schützte der bereits im frühen Mittelalter erbaute Rheindeich westlich von Mehrum – dies tut er auch heute noch.

In der Niederung sind auch heute noch überwiegend Obstwiesen und -weiden, Hecken und Kopfbaumreihen mit Eschen zu finden, aber auch Kopfweiden und -eichen sowie die seltenen Lerchenspornbäume. Die Landschaft ist reich strukturiert und vielfältig. Viele Hecken- und Höhlenbrüter finden hier einen Lebensraum, insbesondere der Steinkauz hat große Bestände in den alten Kopfbäumen, Baumhöhlen und Streuobstwiesen. Ohne regelmäßige Pflegeschnitte dieser Bäume und Hecken würde diese Kulturlandschaft schnell verschwinden. Das Grünland ist als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für arktische Wildgänse und andere Wasservögel von großer Bedeutung.

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