Der Bagelwald in Wesel - ein eingezäuntes Stück Natur

Ansicht der Villa Bagel, Wesel, auf einer alten Postkarte

Im Osten von Wesel, nördlich der Lippe, liegt ein dichter Wald, aus dem abends die Rufe von Käuzchen ertönen und kühle Luft die Umgebung erfrischt. Der Wald und auch die Landschaft rings herum haben nicht immer so ausgesehen, wie heute, und werden sich auch weiter verändern. Um so interessanter ist es, seine Geschichte festzuhalten.

Der Name des Waldes stammt von der Weseler Familie Bagel - der Name ist daher im Original eigentlich französisch mit weichem „g“, wie in „Gelee“ auszusprechen. Johann Bagel, Sprössling einer Hugenottenfamilie, gründete in Wesel um 1800 ein expandierendes Familienunternehmen, dessen Zweige bis heute dem Druckerei- und Verlagswesen verbunden sind. 1868 entstand im Bereich des heutigen Bagelwaldes die Villa Bagel, umgeben von einer Parkanlage. Die Villa existiert seit 1950 nicht mehr, doch ein paar der alten Bäume könnten noch aus dem Park stammen.

Der Wald hatte „Glück“: er konnte sich weitgehend ungestört entwickeln, weil ihn seit 1956 das Wasserwerk II Obrighoven als abgeschlossenes Betriebsgelände nutzte.

Durch seine Abgeschlossenheit erhielt der Wald seinen hohen Wert: Über 120 Jahre alte Buchen und Stieleichen sind zu finden, und insgesamt sind ca. zwei Drittel des Bestandes mehr als 90 Jahre alt. Die Bäume wachsen zum Teil auf natürlichem Wege nach und altern auch natürlich, ohne dass das Totholz weggeräumt wird. Würde der Wald öffentlich zugänglich gemacht, müsste man all das gefährlich überhängende und bald abbrechende Totholz und so manchen Stamm entfernen.

Das hieße, Lebensraum für Fledermaus, Schwarzspecht und Co zerstören. Im Bagelwald lebt eine Vielzahl von geschützten Tieren, die zusätzlich noch durch Nisthilfen wie z.B Kästen für Hohltauben oder Quartiere für Fledermäuse gefördert werden. Im Jahr 2003 wurde mit Zustimmung des Rates der Stadt Wesel auf eine Öffnung des Zauns verzichtet, und das Naturschutzgebiet „Bagelwald im Wackenbruch“ wurde bald darauf rechtskräftig.

Doch die Geschichte geht weiter. So sind in unmittelbarer Nähe Planungen wie der Straßenbau aktuell, auch wurde schon über die Errichtung von Windkraftanlagen diskutiert. Ob der Bagelwald weiter eine Oase der Ruhe bleibt?

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