Altstromrinne Kermisdahl-Wetering: Eine bewegte Geschichte von Fürsten und Flüssen

Kermisdahl-Wetering Wasser, Foto: J. Amshoff

Ein fabelhaftes Gefühl muss es für den Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen gewesen sein, als er nach der Fertigstellung seiner Gartenanlagen  über die Landschaft blickte. 1647 war Johann Moritz Statthalter über das infolge mehrerer Kriege zerstörte Kleve und Umgebung geworden. Als leidenschaftlicher Gartenplaner gestaltete er Kleve neu – mit Alleen, Parkanlagen, Gärten und großzügigen Sichtachsen nach seinem Motto „Soweit der Erdkreis reicht“. Auch zwischen der Schwanenburg Kleve und dem Papenberg entstand eine große arkadische Parklandschaft durch die auch heute noch die Gewässer Kermisdahl und Wetering  fließen. Kermisdahl und Wetering sind Altarme des Rheins. Die Wetering entwässert  mit all ihren abzweigenden Stich- und Parallelgräben das umliegende Grünland. Von ihr aus fließt das Wasser in den Kermisdahl und den Spoykanal, durch Kleve und bis in den Griethauser Altrhein, der wiederum in den Rhein entwässert. Auch der Spoykanal wurde damals von Fürst Johann Moritz wiederbelebt und ausgebaut, um ihn schiffbar zu machen. Die Gewässerläufe von Kermisdahl und Wetering werden auch heute noch zu einem Großteil von Grünlandflächen begleitet. Stellenweise gibt es hier in geringer Zahl noch blütenreiche Feuchtwiesen und Weiden, auf denen sich Libellen, Amphibien und viele andere Tierarten tummeln. Ein kleines Naturparadies!

Doch dieses historische und biologische Erbe war zwischenzeitlich in Gefahr. Lange nachdem Johann Moritz gestorben und in Bergendal  beigesetzt worden war, drohten die Spuren seines Lebenswerks zu verschwinden. Die Kermisdahl verlandete zusehends. Faulschlamm beeinträchtigte das Leben im Gewässer. Aussichtspunkte waren überwuchert und Wege unpassierbar geworden.

Erst der „Arbeitskreis  Kermisdahl-Wetering“ setzte sich ab 2003 dafür ein, das historische Erbe wiederherzustellen und zu bewahren.  Neue Wegeverbindungen und zwei Brücken halfen zusammen mit weiteren Maßnahmen, dem Werk von Johann Moritz wieder Leben einzuhauchen. Heute kann der dreieinhalb Kilometer lange „Prinz-Moritz-Weg“ wieder begangen und das einzigartige Grabmal am Papenberg besucht werden, auch wenn der Leichnam von Prinz Moritz schon im Jahr 1680 nach Siegen überführt wurde. Seit 2010 führt der Voltaire-Weg sogar noch weiter bis zum Museum Schloss Moyland.

Zwar erfordert es weiterhin einige Anstrengung um die noch verbliebenen Natur- und Kulturschätze zu bewahren, doch dank des Arbeitskreises Kermisdahl-Wetering und anderer Engagierter wird uns  das Erbe von Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen hoffentlich noch lange erhalten bleiben.

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