Auf der Schwarzen Straße

Verlauf unserer Radrouten-Empfehlung auf der alten Karte der "Aufnahme der Rheinlande" nach Tranchot / von Müffling um 1819

Zwischen Uedem und Sonsbeck kann einem der Weg auf dem Rad recht lang vorkommen. Die Straße führt uns vor allen Dingen an Äckern entlang, die leicht in Richtung des Uedemer Hochwaldes ansteigen.

Hier gibt es kaum Gehölze, nur wenige Straßenbäume säumen die Wege. Angesichts moderner Landwirtschaftsbetriebe wird aber auch sicher niemand behaupten, dass hier „die Zeit stehen geblieben“ ist. Es  kann spannend sein, zu schauen, wie es wohl vor zweihundert Jahren ausgesehen hat: was hat sich verändert, was ist geblieben?

Wir können alte topografische Karten zur Hilfe nehmen. Aus der Zeit der französischen Besetzung der Rheinlande ab 1794 stammt die Kartenaufnahme des französischen Oberst Tranchot, die nach 1817 unter Leitung des preußischen Offiziers von Müffling weitergeführt wurde. Sie liegt in den linksrheinischen Gebieten vor und liefert detaillierte Information über Siedlungen, Landnutzung, Wegeverbindungen und noch viel mehr.

Die heute „Schwarze Straße“ genannte Wegverbindung existierte schon damals und verlief am Übergang zwischen Heide und Ackerland.

Die Ackerschläge entlang der Straße -  als Terres labourables mit einem T bezeichnet - waren damals schon verhältnismäßig groß und hatten nicht die typische schmal parzellierte Form der Kolonisationslandschaft, wie sie weiter nördlich im Uedemer Bruch auftrat.

Auch bildet die Straße keine Ausgangslinie für die Ansiedlung von Gehöften, sondern ist eher nur ein Verbindungsweg. Auf der Nordseite der Straße lag ein Gebiet, das dem Kartographen als Ödland vorgekommen sein muss, und das er daher als Bruyère, als Heidefläche, mit einem Br gekennzeichnet hat. Die Heideflächen waren von jeher unbestelltes Land am Rand der Gemarkungen, das zur Viehweide genutzt wurde.

In der alten Karte sieht man dort ein dichteres Wegenetz mit Dreiecks­verbin­dungen. Diese Wege lassen sich meist auf noch viel ältere Entstehungszeiten zurückführen, denn sie rühren oft von Trampelpfaden her, die das Vieh hinterließ.

Die kleinen Wege, die die Tranchot-Karte zeigt, sind heute großenteils verschwunden, jedoch lassen sich beim aufmerksamen Vergleich immer noch viele der heutigen Feldwege oder Parzellengrenzen auf ihre schon lange währende Geschichte zurückführen.

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