Rheinvertiefung bei Orsoy und Walsum… oder wie tief der Niederrhein sinken kann

Blick vom linken Rheinufer zum Kohlekraftwerk Duisburg-Walsum

Wir stehen am Rhein bei Orsoy. Was sehen wir? Neben den vielen schnellen Ereignissen fallen uns im Laufe der Jahre auch große, schleichende Veränderungen auf. Und eine davon ist höchst seltsam.

Es beginnt damit, dass der Rhein uns ungewohnt niedrig vorkommt. Zugleich bemerken wir im Umland vermehrt große Senken. Das Land scheint langsam und ungleichmäßig einzufallen wie eine löchrige Luftmatratze.

Um den Ursachen nachzugehen, müssen wir das Baumdasein aufgeben. Die Spur führt tief ins Erdreich. Hunderte bis tausende Meter unter dem Rhein liegen Kohlelagerstätten, die in der Zeche Walsum bis 2008 fleißig abgebaut wurden. Die Folge? Das Land wurde von unten ausgehöhlt, und wenn es in der Tiefe zum Einsturz kommt, arbeitet sich das Loch unter Umständen bis an die Erdoberfläche hoch: So haben Bergsenkungen die Landschaft um bis zu 10 m vertieft – so tief, dass der Rhein sich hier zu einem gewaltigen See stauen und große Flächen in Rheinberg, Voerde, Dinslaken und vor allem Walsum überfluten würde. Mag sein, dass Angler oder Wassersportfreunde das genießen könnten, aber Siedlungsgebiete und landwirtschaftliche Flächen von dreistelligem Millionenwert gingen verloren. Um dieses zu verhindern, werden vor allem die Deiche erhöht.

Doch das ist nicht alles. Der Rhein ist auch kürzer geworden. Schleifen wurden durchstochen, um die Schifffahrt zu beschleunigen. Doch beschleunigt wird damit auch der Fluss selbst. Aus dem trägen Strom wird zwar noch kein reißender Gebirgsbach, aber er ist nun doch schnell genug, um vieles mitzureißen, was früher auf seinem Grund ruhte. So kommt es, dass der Rhein sich immer tiefer in sein eigenes Bett frisst. Diese Rheinsohlenvertiefung ist ein viel weitreichenderes Problem. Sie hat den Flusspegel im Laufe des letzten Jahrhunderts um mehrere Meter sinken lassen – mit gravierenden Folgen: Einst nasse Gebiete sind dadurch trockengefallen und Arten der Feuchtwiesen haben ihre Heimat verloren. Um die Entwicklung einzudämmen, wird das Flussbett des Rheins künstlich erhöht.

So versinkt der Rhein auf zwei Weisen zugleich. Diesen beiden Entwicklungen entgegen zu wirken und die Rheinaue vor der Austrocknung zu bewahren, ist eine Zukunftsaufgabe.

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