Ein vertrauter Anblick in der niederrheinischen Landschaft

Die Kriemhild-Mühle in Xanten

Windmühlen sind ein vertrauter Anblick in der niederrheinischen Landschaft, und daher vielleicht nichts Besonderes. Aber Sie stehen gerade vor der einzigen historischen Windmühle am Niederrhein, die noch täglich in Betrieb ist.

Und das ist etwas Besonderes. Tag für Tag wird hier noch mit der alten Technik vorwiegend regionales Getreide gemahlen. Bei starkem Wind läuft die Mühle allein mit der Kraft des Windes, sonst wird „nachgeholfen“ und der benötigte Antrieb elektrisch erzeugt. Dies ist dem Müller Rolf-Peter Weichold zu verdanken, der die Mühle seit 1992 wieder mit viel Liebe zum Handwerk betreibt. Auf mehreren Stockwerken kann der Weg vom Korn bis zum fertigen Brot in der Backstube bei einer Führung besichtigt werden.

Die Kriemhild-Mühle am Nordwall hat eine lange Geschichte: Der Sockel der Mühle ist Teil der alten Xantener Stadtmauer. In Stadtmauern wurden früher vielerorts zur Verteidigung Wehr- und Wachtürme eingebaut, so auch in Xanten. Beim Wiederaufbau der Stadtmauern nach dem Dreißigjährigen Krieg am Ende des 17. Jahrhunderts dienten diese Wehrtürme aus Mangel an Wohnraum als Behausung für Bedienstete der Stadt. Zu der Zeit war dieser Turm hier unter dem Namen „Nachtwächterturm“ bekannt. Der Siebenjährige Krieg Mitte des 18. Jahrhunderts brachte abermals viel Armut in die Stadt. Aus Geldmangel musste die Stadt Xanten die drei Türme verkaufen. Den „Nachtwächterturm“ erwarb der vermögende Kaufmann Gerhard Schleß und baute ihn als Gartenhaus aus. Schließlich errichtete sein Sohn Heinrich 1806 auf dem Turm den Windantrieb für eine Ölmühle, um den sonst eher nutzlosen Turm auch wirtschaftlich zu nutzen. Nach dem Verkauf der Turmwindmühle an den Müller Hermanns wurde die Ölmühle dann als Getreidemühle genutzt, so wie es noch heute der Fall ist. Heute befindet sich die Mühle im Besitz der Stadt Xanten.

Die Bezeichnung „Kriemhild-Mühle“ gab man ihr erst im 20. Jahrhundert in Anspielung auf Kriemhild, eine der Hauptfiguren im Nibelungenlied.

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