Vom Niederrhein nach Berlin

Schiffe vor der Schleuse bei Voerde

Zu Wasser mit Umweg über die Nordsee?

Naja, um 1900 wäre das richtig gewesen. Heute ist die kürzeste Schiffsverbindung nicht sehr viel weiter als der Landweg. Und sie beginnt genau hier.

Wir stehen am unteren Ende des Wesel-Datteln-Kanals, und das Bauwerk vor unseren Augen ist die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erbaute Schleuse Friedrichsfeld: Die erste von sechs Schleusen, die zusammen die 43 Meter Höhenunterschied auf dem Weg nach Datteln überwinden. Die nächsten beiden liegen in Hünxe und Dorsten.

Ein Schiff zu heben ist keine Kleinigkeit. Das große Staubecken ist 220 Meter lang und 12 Meter breit. Um darin den Wasserspiegel vom Niveau des Rheins auf das des Kanals zu heben, müssen also rund 20 Millionen Liter Wasser aus dem Kanal einfließen. Der ganze Vorgang dauert eine Stunde. Damit der rege Schiffsverkehr nach Osten laufen kann, ist die Schleuse fast durchgehend aktiv –Rund um die Uhr außer Sonn- und Montags.

Also wie kommt man nun von hier nach Berlin? Ab Datteln geht die Reise auf dem Dortmund-Ems-Kanal nach Norden. Aus diesem zweigt bei Bergeshövede der Mittellandkanal ab, der quer durch Norddeutschland verläuft und den größten Teil der Strecke ausmacht. Ab Hohenwarthe an der Elbe geht es auf dem Elbe-Havel-Kanal weiter und mit dem Havel-Spree-System und seinen Verbindungskanälen haben wir die Hauptstadt erreicht.

Bleibt noch die ökologische Sicht. Hier sind große Kanäle immer auch ein Problem. Sie zerschneiden Landschaften und beanspruchen viele Quadratkilometer Fläche. Sie greifen in die Gewässer ein, die sie miteinander verbinden. Andererseits verkürzen sie Fahrwege und verringern damit Emissionen – es sei denn das Verkehrsaufkommen steigt dank des Kanals. Sie sind auch neue Lebensräume für Wassertiere- und Pflanzen, jedoch bedeutet der rege Schiffsverkehr und die damit verbundene Verschmutzung, dass viele Arten hier keine Heimat mehr finden.

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