„Bunker“ (Luftmunitionsanstalt) in der Hees

Eine der verfallenden Bauten der Luftmunitionsanstalt mit Warnschild

Es sind keine Bunker, in denen man vor Angriffen Schutz suchen konnte, sondern eher das Gegenteil: Orte, an denen Kriegsmunition und Waffen hergestellt und gelagert wurden.

Längst liegen die alten Pflaster- und Asphaltdecken unter Humus begraben. Farne und Brennesseln überwuchern, was von den Bauwerken übrig ist, Baumwurzeln arbeiten an ihrem Beton. Die Eingänge gleichen Höhlenöffnungen, dunkel und abweisend. Licht hat darin wohl seit den 1940er-Jahren nicht mehr gebrannt … Wir können heute nur noch ahnen, wie die imposante Anlage, deren Ruinen uns umgeben, einmal ausgesehen hat.

Die Bauten gehörten zur sogenannten Luftmunitionsanstalt, deren Geschichte sich schnell erzählen lässt: Keine 10 Jahre vergingen zwischen ihrem Bau und ihrer Vernichtung. Ab 1939 wurden die Munitions- und Zündlagerhäuser, umgeben von Schutzwällen, aus Beton errichtet.

Als eine von 52 solchen Anlagen in Deutschland versorgte die Munitionsanstalt Heer, Luftwaffe und Marine mit Waffen, ehe sie 1944 mit Blick auf die nahenden gegnerischen Streitkräfte nach Thüringen verlegt wurde. Vier Jahre später wurden die leerstehenden Gebäude von den Alliierten weitgehend gesprengt.

In den fünf Jahren Betriebszeit der Fabrik wurde in großem Maßstab dem gewaltsamen Tod zugearbeitet. Dabei begaben sich oft auch die Arbeiter selbst in Lebensgefahr: bei der Fertigstellung einer Luftmine kam es am 20.11.1942 zu einer schweren Explosion, die eines der Arbeitshäuser völlig zerstörte. Die Menschen im Haus und in seiner Umgebung kamen dabei ums Leben. Am Ort des Geschehens, nahe dem heutigen St. Josef-Hospital, findet sich eine Gedenktafel zu diesem Ereignis.

So lange die Trümmer der alten Anstalt noch sichtbar sind, begegnet uns hier ein langsam verfallendes Mahnmal des Krieges.

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