Mit der Bahn über den Rhein - bei Wesel?

Die Ruine der alten Eisenbahnbrücke Wesel auf der linken Rheinseite

Einst war das möglich - die ehemalige alte Eisenbahnbrücke Wesel verband West und Ost schon im 19. Jahrhundert. Heute kann man nur noch die gewaltigen Reste dieses Bauwerkes bestaunen. Ein Teil davon hat sich zu einem attraktiven Lebensraum für Tiere und Pflanzen entwickelt.

1874 eröffnete die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft die Brücke. Sie war damals die längste Eisenbahnbrücke Europas. Es folgten jedoch schon bald unruhige Zeiten.
Im März 1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges, sprengte man die Reste der schon beschädigten Brücke, um die Alliierten an der Rheinüberquerung zu hindern.

Von der Stahlbaukonstruktion, die den Rhein überspannte, ist heute nichts mehr übrig. Links und rechts des Rheins liegen jedoch, immer noch recht eindrucksvoll, die steinernen Ruinen der Vorlandbrücke.

Linksrheinisch ragt die Ruine wie ein kleiner Fels aus dem Naturschutzgebiet „Rheinaue zwischen Büderich und Perrich“. So wundert es nicht, dass zum Teil auch Pflanzen und Tiere der Felslandschaften hier gedeihen.

Aus der Tierwelt fanden sich Fledermäuse, Steinkauz, Turmfalke, Rostgans und Hohltaube ein. Sie alle suchen Höhlen oder einen geschützten Ort in Mauerspalten auf, um darin zu ruhen oder ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Wilde Reseden und Echtes Leinkraut, die Verwandten unserer Gartenresede und des Löwenmäulchens, wachsen an den seitlichen Mauervorsprüngen und -Abbrüchen.

Auf der Mauerkrone herrschen extrem trockene Verhältnisse, denn es gibt ja kein tiefes Erdreich, in dem sich Wasser halten könnte. Der Boden ist eine dünne Schicht, schnell austrocknend und durch die nachwitternden Mauer- und Mörtelreste gut mit Basen versorgt.

Hier findet sich eine Besonderheit: Wiesenpflanzen, die auch im Naturschutzgebiet nicht mehr selbstverständlich sind, finden hier noch einen Rückzugsort. Wiesen-Salbei, Wiesen-Margerite, Zierliche Kammschmiele und Mittlerer Wegerich treten dort auf, als Vertreter der sogenannten „Stromtal-Trockenrasen-Gesellschaft“ der Rheinwiesen - einer Pflanzengesellschaft, die heute hier fast verschwunden ist.

Einst waren diese bunten Wiesen auf den der Sonne ausgesetzten Deichflanken häufiger. Sie benötigten gut abtrocknenden und basenreichen Boden, vertragen aber keine Düngung, und auch keine Beweidung. In der heutigen Zeit ein recht schwierig zu erfüllender Anspruch.

Es bleibt zu wünschen, dass der vielfältige Sonderlebensraum auf der ehemaligen Rheinbrücke noch lange ein Hort der Artenvielfalt sein darf.

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