Aus den Zeiten der "Isselbarone"

Blick durch die alte Allee von Hamminkeln in Richtung Gut Vogelsang

In Hamminkeln läuft eine Allee aus Roßkastanien und Linden auf die Brüner Straße zu. Die Bäume lenken den Blick geradewegs zum Gut Vogelsang auf der anderen Seite der B 473. Auch wenn Hof und ein Teil der Allee heutzutage durch die Bundesstraße voneinander getrennt sind, so ist die Bedeutung der Allee als ehemalige Zufahrt zum Gut noch deutlich zu erkennen.

Gut Vogelsang liegt nah der Issel und wurde im 17. Jahrhundert im Stil des Niederländischen Barocks neu erbaut, nachdem es während des 30-jährigen Krieges komplett abgebrannt war. Zu der Hofanlage gehört auch eine Erbbegräbnisstätte mit einer Kapelle von 1861. Der Hof reiht sich in eine Kette weiterer größerer Hofanlagen, die sich entlang der Isselniederung von der alten „Tollborg“ bei Dingden Richtung Süden zieht und die Höfe Schwinnshof, Rott, Bergfrede, Großbovenkerk, Kleinbovenkerk und Wittenstein einschließt.

Die Hofstellen sind auf Ansiedlungsbestrebungen des Stiftes Xanten im 11. Jahrhundert nach Christus zurückzuführen. Sie entstanden auf einem leicht höher gelegenen, hochwasserfreien Geländerücken und dienten ihren Gründungsherren als Sicherung der Grenzregion.

Die sumpfige Isselniederung bildete schon seit Jahrhunderten eine territoriale Grenze, die durch den Ausbau der Klevischen Landwehr im 14. Jahrhundert im Verbund mit den Hofanlagen noch gestärkt wurde. Seit der frühen Neuzeit dienten die Bauten mehr und mehr der Repräsentation des Wohlstandes ihrer Besitzer.

Die Hamminkelner Gutsherren wurden daher auch gern „Isselbarone“ genannt, doch sind die meisten der eindrucksvollen Herrenhäuser, die durch Wassergräben umgeben waren, schon zerfallen.

Gut Vogelsang, das sich in Privatbesitz befindet, bildet da eine Ausnahme. Nahe der Hofanlagen sind Teile der ehemaligen Grabenanlagen und der Landwehr noch gut zu erkennen und heute geschützte Kulturdenkmale.

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