Man hätte die Engelkirche irgendwo bauen können. Und irgendwie. Dass man sie gerade hier in dieser Form errichtete, ist ein starkes Zeichen. Und ihr richtiger Name - „Friedenskirche zu den Heiligen Engeln“ ist ein klares Plädoyer von Menschen, die zu der Zeit gerade einen fürchterlichen Krieg überlebt hatten. Denn die Engelkirche steht auf den Fundamenten einer militärischen Verteidigungsanlage – dem Fort Fusternberg. Die Festung Wesel war schon seit Jahrhunderten ein Bollwerk der Verteidigung. Oftmals stark umkämpft, wurden ihre Verteidigungsanlagen immer wieder ausgebaut. Fort Fusternberg kam im 19. Jahrhundert hinzu. Wesel war damals wichtiger Waffenumschlagplatz und das Fort sollte die gerade dafür neu entstandenen Bahnlinien schützen.

Mit der Aufhebung der Festung 1886 verlor das Fort mehr und mehr an Bedeutung. Große Teile wurden daraufhin ab 1890 abgerissen, und die Überreste dienten in der Folge als Kartoffellager, Lazarett, Luftschutzbunker und, nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Notkirche. Es erschien wie ein Wunder, dass das Gebäude den Krieg überstanden hatte. Denn genau an der Stelle des heutigen Taufbeckens schlug eine 15-Zentner-Bombe ein, ohne zu detonieren. So entstand die Idee, hier einen der ungewöhnlichsten Kirchenbauten der Nachkriegszeit zu errichten. Der Kölner Architekt Hans Schilling machte aus dem alten Gebäude die heutige Krypta und die Katakomben und setzte das moderne Kirchenschiff darauf. Das Dach erinnert dabei tatsächlich an ein umgedrehtes Schiff und die blau leuchtenden Fenster sollen an Wasser erinnern. Mit ihren dicken, hohen Mauern führt die Kirche den wehrhaften Charakter der militärischen Anlage fort und wirkt wie ein Mahnmal. Besonders, wenn man bedenkt, dass die verwendeten Steine fast ausschließlich aus Trümmern der zerstörten Stadt stammten.

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Engelkirche

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Was wir hier sehen, ist eine Art Second-Hand-Landschaft, vor wenigen Jahren entstanden auf alten Kies-Abbauflächen. Und wir sehen auch, warum der Standort für den Kiesabbau  so günstig war: von unserer Anhöhe aus blicken wir auf die tieferliegenden, ehemaligen Abbauflächen, die bereits renaturiert wurden. Ursprünglich war das Geländeniveau dort ebenso hoch wie hier. Kies und Sand lagen quasi auf dem Silbertablett und konnten einfach mit großen Baggern als Trockenabgrabung abgebaut werden. Anders als bei einer Nassabgrabung, bei der der Grundwasserspiegel freigelegt wird, entstanden daher hier keine Baggerseen.
Diese riesigen Sand- und Kiesflächen waren ein Geschenk des letzten Eiszeitalters. Damals, vor hunderttausenden von Jahren, flossen Rhein, Niers und Maas nicht geordnet an einem Platz, sondern bildeten wilde Flusssysteme, in denen sich das Wasser immer wieder neue Wege suchte. Dabei wurden hier große Massen Kies und Sand zu immer neuen Sandbänken abgelagert. Mit dem Ende der letzten Eiszeit, vor ca. 10.000 Jahren, änderte sich das Abflussverhalten der Flüsse. Sie begannen zu mäandrieren, also in weiten Bögen durch die Niederrheinische Landschaft zu fließen und gestalteten diese weiter um. Teilweise trugen sie nun wieder fort, was sie in all den Jahrtausenden zuvor hier abgelagert hatten und schufen Auen und weite Niederungen. Zurück blieb die sogenannte „Terasseninsel Hees“, die die begehrten Rohstoffe bereithielt, und auf der Sie nun stehen.
Die Abbruchkanten, die die Bagger hier hinterlassen haben, zeigen, wie hoch hier der Sand lag und lassen uns erahnen, welche Urgewalten einst hier am Werk waren.

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Bagger als Geschichtslehrer

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Der Ziegenmelker und der Blutbär haben es nicht leicht. Nicht wegen ihrer exotischen Namen, sondern weil diesen Tieren die Lebensräume ausgehen. Der kleine Vogel und der schwarzrote Nachfalter benötigen offene, sonnig-trockene Heidelandschaften, und die sind selten geworden. In den Maasdünen auf der niederländischen Seite der Grenze gibt es sie noch. Der Nationalpark bietet mit seinen trockenen Rasenflächen, offenen Sandböden und kleineren und größeren Gewässern eine ganz besondere Landschaft, die vielen zum Teil stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen dringend benötigten Rückzugsraum sichert. Die Dünen sind ein Erbe der Eiszeit. Die Maas hatte im Laufe der Jahrtausende Unmengen von Sand dorthin transportiert, den starke Winde dann zu den Dünen auftürmten. Auch hier auf deutscher Seite haben die urzeitlichen Flusssysteme von Rhein und Maas eine Menge Sand und Kies abgelagert. Die hiesige Landschaft ist deshalb von Abgrabungen der begehrten Baustoffe geprägt. In weiten Teilen sind die Abgrabungstätigkeiten bereits beendet, doch hier in der Nähe wird an einigen Stellen noch gebaggert. Danach sollen alle Flächen renaturiert und einer naturnahen Entwicklung überlassen werden. Um die Flächen offen zu halten ist aber eine Beweidung mit genügsamen Rindern notwendig. Damit schaffen wir hier ganz ähnliche Lebensräume wie in den Maasdünen. Der sandig kiesige Boden bietet die gleichen trockenen Bedingungen, und kleine, künstliche Gewässer machen auch hier die Landschaft noch vielfältiger. Neben seltenen Pflanzenarten finden wir vor allem eine Vielzahl zum Teil bedrohter Tierarten. Hier kann der Ziegenmelker wieder leben, und mit ihm andere seltene Vögel wie Krickenten, Blaukehlchen oder Zwergtaucher. Die gefährdete Kreuzkröte und der Kleine Wasserfrosch finden hier ein Zuhause, genau wie seltene Libellen, Heuschrecken und Falter, wie eben auch unser Blutbär. Hier finden sie genügend blühende Pflanzen und tragen ihrerseits zum lebendigen Ökosystem bei. Das gibt ein Stück Hoffnung, denn es zeigt, dass wir Menschen die Natur nicht nur zerstören, sondern auch wertvoll gestalten können.

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Sekundärlebensraum

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Flüsse prägen das Leben der Menschen, und die prägen wieder die Flüsse und deren Umgebung und haben ihnen oft ganz schön zugesetzt. Die Niers, die in Erkelenz entspringt und nach 113 km bei Gennep in die Maas mündet, gehörte schon immer zu den am stärksten genutzten Flüssen der Region. Zahlreiche Burgen und Schlösser entlang des Flusses erzählen davon, dass er mit seinen ursprünglich sumpfigen Uferbereichen lange eine natürliche Territorialgrenze bildete. Schloss Wissen hier ganz in der Nähe ist nur ein Beispiel dafür. Inzwischen ist schon eine Menge Wasser die Niers hinunter geflossen. Und nicht immer sah das so klar und gesund aus. Um 1900 hätten Sie hier auf eine stinkende, schlammige Brühe geblickt, denn alle Abwässer wurden ungefiltert in den Fluss geleitet. Vor allem die Gerb- und Farbstoffe der Mönchengladbacher Textilindustrie brachten ihm damals den spöttischen Beinahmen „Rio tinto“ - gefärbter Fluss ein und sorgten dafür, dass in der Niers – abgesehen von Seuchen erregenden Bakterien  - so gut wie nichts mehr leben konnte. Wenn wir heute von der Brücke blicken, zeigt sich zum Glück ein ganz anderes Bild. Sehen sie die vielen Wasserpflanzen? Sie verweisen auf eine gute Wasserqualität. Und mit der Unterwasservegetation ist noch mehr Leben in die Niers zurück gekehrt. Viele Kleintiere wie Krebse, Schnecken, Muscheln oder Strudelwürmer und rund 30, zum Teil gefährdete Fischarten haben hier wieder ihr Quartier bezogen. Einige von ihnen, wie die Koppe, sind ganz schön wählerisch, was die Wasserqualität angeht. Dass sie heute wieder in der Niers leben kann, verdanken wir vor allem den 24 Klärwerken, die mit inzwischen weit fortgeschrittener Technik das Abwasser der Region aufbereiten und wieder der Niers zuführen. Auch vermehrte Renaturierungsmaßnahmen am Oberlauf der Niers haben zu einem Anstieg der Artenvielfalt beigetragen. Und der  „Rio tinto“ ist zum Glück Geschichte.

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Die Niers

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Wie schade, dass Bäume nicht sprechen. Was könnte eine Eiche nicht alles erzählen? Mit rund 1000 Jahren stammen Deutschlands älteste Exemplare noch aus dem Mittelalter – Langzeitkatastrophen wie der 30 jährige Krieg waren für sie nur kurze Episoden. Diese Langlebigkeit verdanken die Bäume vor allem ihrer langen Pfahlwurzel, die sie hervorragend gegen Stürme wappnet – und zu einem Symbol für Standhaftigkeit machte. In vielen Kulturen galten sie gar als göttlicher Baum, nicht zuletzt wegen ihrer nahrhaften Früchte. Jahrhundertelang wurde der Wert eines Waldes nicht in Holz, sondern in Schweinen gemessen, die dort mit den Eicheln gemästet werden konnten. „Auf Eichen wachsen die besten Schinken“ sagte man und hoffte stets auf gute „Mastjahre“.  Eicheln waren so wertvoll, dass selbst Kinder nicht einfach ein paar davon aufsammeln durften. Das änderte sich erst in der Neuzeit, als die Kartoffel hier ihren Siegeszug antrat. Ab da wurden Schweine mit Kartoffeln gemästet und kamen in den Stall. Nun galt das Interesse vor allem dem Eichenholz, das bis heute konkurrenzlos hart, haltbar und entsprechend beliebt ist. Ganze Eichenwälder fuhren früher als Schiffe über die Ozeane. Eichen wurden zu Fachwerk, kostbaren Möbeln, Klavieren und Whiskeyfässern. Die Stadt Venedig würde es ohne die Eichenpfähle vielleicht gar nicht geben. Und die Eiche hat noch mehr zu bieten. Die Gerbstoffe in der Rrinde wurden in der Ledergerberei verwendet und dienten auch als entzündungshemmende Arznei. In Notzeiten konnten auch Menschen die Eicheln als Nahrung nutzen, wenn sie ihnen die Bitterstoffe entzogen – Eichelkaffee kennen wir auch heute noch. Und für Tiere haben Eichen natürlich auch viel zu bieten, vor allem Brutplätze und Futter. Eichelhäher, Eichhörnchen oder die Eichengallwespe haben ihren Namen schließlich nicht ohne Grund.
Die Eichen hier an der Allee sind noch echte Jungspunde – 40, vielleicht 50 Jahre. Wer sie pflanzte, bewies Weitblick. Denn an dieser Schatten spendenden, grünen Ader werden sich noch viele Generationen erfreuen.

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Die Eichenallee

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Kies und Sand gelten als Gold des Niederrheins, ein Geschenk der Gletscher, die die begehrten Rohstoffe in der Eiszeit hierher schoben, und des Rheins und der Maas, die ebenfalls über viele tausende Jahre hier eine Menge davon abgelagert haben. Der Abbau der wichtigen Baustoffe ist bis heute unverzichtbar, hinterlässt allerdings zunächst deutliche Spuren. Doch das bleibt nicht so. Abbaugenehmigungen sind daran gekoppelt, dass die Abbauflächen nach der Nutzung für Mensch und Natur aufgewertet werden – quasi ein Upcycling im ganz großen Stil.  Aus den alten Kies- und Sandgruben, die meist auf ökologisch wenig wertvollem Land entstanden, können wie hier durch Renaturierung ökologisch wirklich wertvolle Lebensräume entstehen. Und zwar am besten solche, die sonst inzwischen Mangelware sind. Die bieten dann nicht nur seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause, sondern auch uns Menschen eine Landschaft mit hohem Erholungswert. Aus den verschiedenen Abbauflächen hat man hier ein großflächiges Biotopverbundsystem geschaffen, das mit seinem hohen Anteil an offenen Mager- und Sandrasen vor allem die Tier- und Pflanzenarten anzieht, die es trocken und sonnig mögen. Das Dumme ist, dass solche offenen Flächen im mitteleuropäischen Klima leider nicht lange so bleiben. Sie verbuschen rasch und bewalden sich letztendlich. Man muss also immer eingreifen und Arbeit und Kosten hineinstecken, um die Flächen frei zu halten. Oder? Zum Glück haben sich Landschaftspfleger gefunden, die diese Arbeit ehrenamtlich und äußerst zuverlässig leisten: Schottische Hochlandrinder nämlich. Nicht zu viele natürlich, es soll ja keine intensive, sondern eine extensive Beweidung sein, aber eben genügend, um den Bewuchs niedrig zu halten. Diese Aufgabe haben Rinder traditionell auf solchen mageren Böden jahrhundertelang übernommen. Heute besinnen wir uns wieder darauf und profitieren von den fleißigen Landschaftspflegern, die auch Landschaftswächter sind: denn mit einem Stier auf der Weide erscheint die Idee, hier verbotenerweise wild zu zelten, Feuer zu machen oder Cross zu fahren, wohl wenig verlockend.

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Die Renaturierung alter Kies- und Sandgruben

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Stellen Sie sich vor, sie würden ihren Kopf wie einen Presslufthammer gegen einen Baum schlagen. Nein? Keine Lust auf starke Kopfschmerzen und Gehirnerschütterung? Spechte machen genau das bis zu 12.000 Mal am Tag. Wie das funktioniert? Nun, zum einen sitzt ihr Gehirn relativ fest im Kopf, wird also nicht hin und her geschleudert, wie es bei uns der Fall wäre. Es ist von starken Knochen umgeben und liegt oberhalb des Schnabels, sodass die Wucht des Aufpralls das Gehirn nicht direkt trifft. Zum anderen federn biegsame Knochengelenke und kräftige Schnabelmuskeln die harten Schläge ab – eine Art eingebauter Stoßdämpfer. Und diese Sonderausstattung brauchen sie, denn das Klopfen der Spechte ist Kommunikationsmittel – sehr stimmgewaltig sind sie nämlich nicht – und Lebensgrundlage. Denn so hacken sie nicht nur die Rinde von Bäumen, um begehrte Nahrung wie Käfer oder Ameisen freizulegen, sondern vor allem zimmern sie sich auf diese Weise geduldig ihre Wohn-, Schlaf- und Bruthöhlen. Und davon profitieren nicht nur sie selbst, sondern ungefähr 60 andere Tierarten, die nach dem Specht in die komfortablen Höhlen einziehen – Fledermäuse zum Beispiel, Eichhörnchen oder Hornissen. Damit sind Spechte so etwas wie die Architekten des Waldes und vor allem ein Indiz für lebendige und vielfältige Wälder. Zum lebendigen Wald gehört nämlich ironischerweise vor allem viel Totholz, und das brauchen die Spechte, denn es birgt nahrhafte Insekten und lässt sich leichter aushöhlen. Hier am Niederrhein werden Sie wie überall am ehesten die schwarz-weiß-roten Buntspechte sehen, mit etwas Glück auch die markanten Schwarz- oder Grünspechte, und ganz vielleicht als Kenner auch Mittel- und Kleinspechte.
Der Name „Schluckspecht“ ist übrigens ganz ungerecht – die findigen Vögel hacken zwar wirklich im Frühling gern Löcher in Ahorn- oder Birkenbäume, um an den süßen Saft zu gelangen. Vergoren ist der aber nicht.

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Die Spechte

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Wie gut, dass es am Niederrhein so viele Deiche gibt. Denn sie schützen nicht nur unsere Ortschaften und Felder vor Hochwasser, sondern sie sind auch letzte Refugien für viele selten gewordene Arten. Vor allem blütenreiche Wiesen. Bunte Blumenwiesen waren früher weit verbreitet und charakteristisch für die Niederrheinlandschaft. Auf den höher gelegenen Bereichen der Aue mit ihren relativ trockenen Böden in unserem milden Klima wuchsen sogenannte Halbtrockenrasen und Glatthaferwiesen, die einer Vielzahl von Arten einen wunderbaren Lebensraum boten. Die Intensivierung der Landnutzung hat diese Ökosysteme inzwischen fast gänzlich verdrängt. Da ist es ein Glück, dass sich Deiche einem grünen Band gleich durch die Niederrheinische Landschaft ziehen. Bei einer extensiven Nutzung haben die bunten, wärmeliebenden Wiesenblumen und Wildkräuter dort noch eine Chance. Jedenfalls da, wo man zur Pflege der Deiche auf extensive Bewirtschaftung, also auf eine geringe Düngung setzt. Eine späte Mahd im Juni oder eine Beweidung zum Beispiel durch Schafe, wie es hier geschieht, sind auch hilfreich. Schafe sind perfekte Deich-Rasenmäher. Solange sie nur gelegentlich grasen, kommen die Blumen trotzdem zu ihrer Blüte – und das freut natürlich auch viele, zum Teil seltene Insekten, die dringend auf die blütenreichen Refugien auf den Deichen angewiesen sind. So eine extensive Beweidung und Pflege hilft außerdem dem Hochwasserschutz: die Schafe treten die Grasnarbe schön fest, und die wenig gedüngten Pflanzen bilden in den nährstoffarmen Böden eine dichte, tief und fest ineinander verwurzelte Pflanzendecke aus – das schützt vor Erosionen. Leider werden auch die Deiche oft nur noch gemäht und nicht mehr zeitweise beweidet. Dort wachsen dann nur noch Gräser, die kaum Nahrung für Insekten bieten. Vor allem macht die  intensive Düngung starkes Wurzelwachstum überflüssig, weil immer genügend Nährstoffe direkt verfügbar sind. Die Pflanzen sind daher weniger fest verwurzelt, und der Deich wird anfälliger für Erosionsschäden. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft möglichst überall die Deiche extensiv gepflegt werden und so eine farbenprächtige Vielfalt bieten wie hier.

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Blütenreiche Deiche

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Eigentlich hatte die Natur alles super geregelt. Es gab große Flüsse wie den Rhein, die flossen, wo und wie sie wollten. Und alle Pflanzen und Tiere hatten ihr Leben bestens daran angepasst. In Überflutungsgebieten der Flüsse wuchsen Bäume und Sträucher, die mit dem vielen Wasser umgehen konnten. Sie bildeten die Auwälder und boten einer Vielzahl von Tieren ideale Lebensbedingungen. In besonders nassen Teilen wuchsen vor allem Silberweiden und Pappeln – als sogenannte Weichholz-Auwälder. In höher gelegenen, weniger häufig überfluteten Bereichen standen dagegen Hartholz-Auwälder. Stieleichen, Ulmen und Eschen gediehen hier besonders gut und ließen mit ihren hohen Baumkronen vielen anderen Bäumen und Sträuchern genug Licht. Hartholzauwälder gehören deshalb zu den artenreichsten Waldtypen in ganz Europa. Leider zählen sie heute auch zu den seltensten. Denn diese höher gelegenen Bereiche der Aue bieten auch fruchtbare Böden. Schon die Römer begannen daher damit, die Auwälder zu roden. So gewann man Weideland und zusätzlich noch eine Menge Holz. Nach den späteren Eindeichungen konnten auf den ehemaligen Hartholz-Auwaldflächen sogar hochproduktive Äcker angelegt werden. Diese Entwicklung führte hier am Niederrhein zum völligen Verschwinden der Hartholzauwälder. In den 1990er Jahren hat man dann erstmals versucht, gegenzusteuern. Das Ergebnis ist der kleine Auwald hier vor uns – etwas ganz Besonderes. Nach umfangreicher Planung wurde er damals mit großem Aufwand neu aufgeforstet. Dabei konnte niemand sicher sagen, ob das Experiment gelingen würde. Inzwischen gedeiht der Wald hier aber langsam und stetig, und eine Vielzahl von Bewohnern wie Libellen, Falter, Käfer, Vögel, Frösche oder Fledermäuse beweist, dass sich der Aufwand lohnt.

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Hartholz Auwälder

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