Wer sich früher gehörig gruseln wollte, war ungefähr an dieser Stelle genau richtig. Denn bis in die 1970er Jahre stand hier das Leichenhäuschen. Und darin wurden tatsächlich Tote bis zu ihrer Bestattung aufgebahrt. Keine Toten, die friedlich in ihren Betten gestorben waren, sondern Opfer des Rheins, Wasserleichen, die der gefährliche Strom angeschwemmt hatte, und deren Identität man noch nicht kannte. Das Häuschen diente aber auch als Treffpunkt für Verliebte, denn hier war man ungestört und konnte die Umgebung gut im Auge behalten. Überraschungen waren somit ausgeschlossen. Es kommt auch heute noch vor, dass Menschen im Rhein ertrinken, vor allem Badende, die seine Gefahren unterschätzen. Früher jedoch forderte der Rhein viel mehr Opfer. Vor allem Schiffsunglücke und Arbeitsunfälle an Bord der Rheinschiffe endeten in Zeiten ohne Wasserschutzpolizei und gut ausgestattete Feuerlöschboote oft tödlich. Und hier in diesem Bereich strandeten die Verunglückten besonders häufig, denn der Rhein ist hier stark gekrümmt und an den weit in den Fluss ragenden Uferbefestigungen, den Buhnen oder Kribben, verfing sich nicht nur allerhand Treibgut, sondern eben auch immer wieder eine Wasserleiche. Und die brachte man, da es in Götterswickerhamm keine Leichenhalle gab, in dieses Häuschen. Der Deich und das Häuschen wurden Anfang der 1930er Jahre errichtet. Schwer beschädigt wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut und solange genutzt, bis die neuen Leichenhäuser in der Umgebung seine Verwendung überflüssig machten. Das Häuschen wurde abgerissen, und mit der Deichsanierung 2010 verschwanden auch die letzten Überreste. Inzwischen erinnert ein Gedenkstein, etwas versetzt zum ehemaligen Standort in Verlängerung der Hohen Straße, an diesen fast vergessenen Teil der niederrheinischen Bestattungskultur. 

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Das "Leichenhäuschen"

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Von dieser Anhöhe können wir einen schönen Blick in die Rheinebene genießen. Vor etwa 2.000 Jahren wäre der Betrachter der Aussicht aber ein römischer Legionär gewesen, und schön hätte er das alles nicht gefunden. Denn dies ist der Standort des römischen Legionslagers Vetera und die Aussicht ging damals in das unheimliche und dunkle Germanien, wo vor kurzem die Legionen des Varus ausgelöscht worden waren. Zwei der drei Varus-Legionen waren hier stationiert gewesen. Diese Katastrophe änderte die römische Politik an der Rheingrenze grundlegend. Die Eroberungspläne östlich des Rheins wurden aufgegeben und wenn man genau hinschaut, kann man die Auswirkungen bis heute sehen.

Als größtes Legionslager des römischen Reiches war es strategisch klug angelegt. Damals lag nämlich genau auf der anderen Rheinseite die Lippemündung. Verkehrstechnisch war das etwa so wie heute das Kamener Kreuz oder der Kölner Hauptbahnhof. Diese Anhöhe musste also besonders gut gesichert werden. Zwei Legionen hatten hier ihre Unterkünfte und schützten den Frieden des Römischen Reiches. Um das Lager herum hatte sich eine geschäftige Siedlung gebildet und die große Römerstraße zur Nordsee lief daran vorbei. So konnten Waren aus aller Welt bestaunt werden. Von den großartigen geschäftlichen Möglichkeiten zeugt noch das größte römische Grabmal in Köln. Lucius Poblicius hatte es in Auftrag gegeben, ein Veteran aus Vetera hier am Niederrhein. Sein jähes Ende fand das Lager dann in den Bürgerkriegswirren nach dem Tode Neros. 69 n. Chr. wurde es nach einer Belagerung durch die Aufständischen Bataver, die im Raum Nimwegen lebten, bis auf die Grundmauern abgebrannt und an dieser Stelle nie mehr aufgebaut.

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Vetera

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Ende des 19. Jahrhunderts suchten hier in Borth Menschen nach Gold. Nein, nicht nach echtem Gold, sondern nach Kohle, dem „schwarzen Gold“. Sie führten Probebohrungen durch und wurden fündig. Allerdings ganz anders als erwartet. Denn sie stießen nicht auf schwarzes, sondern auf „weißes Gold“ - auf Salz. In 500 bis fast 1000 Metern Tiefe liegt hier nämlich die sogenannte „niederrheinische Salzpfanne“, eine 200 m dicke und rund 50 Kilometer lange Steinsalzschicht. Und dieses Salz baut man bis heute hier in einem der größten Bergwerke seiner Art in Europa ab. Der Anfang war äußerst mühsam.  Wassereinbrüche, Blitzeinschläge und Explosionen kosteten zum Teil Menschenleben und verzögerten den Salzabbau über zwei Jahrzehnte, bevor es 1924 endlich richtig los ging. Die Arbeit ist gar nicht so anders als in einem Kohlebergwerk: Förderschächte, riesige Maschinen unter Tage, kontrollierte Sprengungen und jede Menge Lärm und Staub. Statt Stollen entstehen hier übrigens 20 Meter hohe Kammern, die später auch zur Lagerung von Erdgas weiterverwendet werden.

Bis zu 12.000 Tonnen feinstes Steinsalz werden hier täglich gewonnen und für die unterschiedlichsten Zwecke verarbeitet. Ob Speisesalz oder Streusalz, Salz für die Industrie oder für medizinische Zwecke – Salz ist einer unserer wichtigsten Rohstoffe. Die Menschen die hier arbeiten, wohnen teilweise noch heute in den unter Denkmalschutz stehenden Häusern der Werkssiedlung aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, ganz ähnlich wie ihre Kollegen im Ruhrgebiet.

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Salzbergbau

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Wie bitte? Eine Fischtreppe? Also eine Treppe für Fische? Soso. Darf's vielleicht gleich ein Aufzug sein? Sie werden staunen: es gibt, so wie hier an der Bärenschleuse, an immer mehr Stellen sogenannte Fischtreppen oder Fischaufstiegshilfen. Denn die Fische in Fließgewässern haben ein Problem. So wie das Wasser, in dem sie leben, hält es sie nicht an einem Ort. Die Plätze mit dem guten Nahrungsangebot sind nicht gleichzeitig gute Laichplätze oder Ruheräume. Also wandern sie flussauf- und flussabwärts von den ergiebigen Nahrungsrevieren zu den ruhigen Brutgewässern und zurück. Aber dort, wo eine Schleuse den Wasserzufluss reguliert, kommen die Tiere nicht weiter. Bei Vollstau liegen hier bei der Bärenschleuse ein Meter und sechzig Zentimeter Unterschied zwischen dem oberen und unteren Flussabschnitt. Das wäre nicht einmal für fliegende Fische in den Tropen zu schaffen. Im Umkreis einer normalen Schleuse können die Fische daher nicht erfolgreich leben und sich fortpflanzen. Das Gleiche gilt übrigens auch für andere Wasserbewohner wie Amphibien, Krebse, Schnecken oder Muscheln. Auf die Schleusen verzichten können wir Menschen aber in der Regel auch nicht. Sie sind gerade am Niederrhein ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz. Und hier die Bärenschleuse ist noch dazu ein eingetragenes Kulturdenkmal. Sie wurde bereits vor knapp vierhundert Jahren an der Issel errichtet, um die Wasserversorgung der Festung Wesel zu regulieren. Und falls Sie sich schon die ganze Zeit wundern: mit Bären hat die Schleuse nichts zu tun. „Bär“ ist einfach eine alte Bezeichnung für „Schleuse“ oder „Sperre“. Was also tun mit der Bärenschleuse? Sie müsste irgendwie für Fische passierbar gemacht werden, dachte man sich, und entschied sich 2003 für eine zweigleisige Lösung. Direkt an der Schleuse errichtete man eine sogenannte „raue Rampe“ mit acht Becken. Im Winter, wenn die Schleuse zum Ablassen des Hochwassers geöffnet ist, können die Tiere über diese Becken Stück für Stück den Höhenunterschied überwinden. Wenn im Sommer die Schleuse geschlossen bleibt, ermöglicht eine kleine Umgehungsstrecke weiter im Norden mit siebzehn abfallenden Becken und einer Ruhezone das erfolgreiche Passieren der Schleuse. Mit diesem kleinen Fischbach ist gleichzeitig ein wertvolles Biotop entstanden. Inzwischen wurden immerhin schon über zehn Fischarten und verschiedene Muscheln hier beobachtet. Darunter sind verschiedene Karpfenartige, Regenbogenforellen, Barsche, Hechte, Aale und Steinbeißer, und selbst so relativ schlechte Schwimmer wie die Koppe. Das zeigt, wie gut die Fischtreppe funktioniert.

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Die Bärenschleuse

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Viele Erfolgsgeschichten beginnen mit einem Traum. So ist es auch mit der Wallfahrt in Marienbaum. Die bald 600 Jahre alte Wallfahrtstradition geht auf die Vision eines gelähmten Hirten zurück. Der Überlieferung nach träumte dieser im Jahr 1430 von einer treppenförmig gewachsenen Eiche, in deren Astwerk sich eine Marienstatue befand. Der Hirte suchte daraufhin den Baum, fand ihn hier, betete zu dem Gnadenbild und wurde geheilt. Das Wunder sprach sich schnell herum, und schon bald wurde der „,Trappenboom“ mit Maria - Zuflucht der Sünder, zum beliebten Ziel für Pilger. Vor allem gegen Seuchen, wie die Pest, sollte Maria helfen. Und tatsächlich erzählen Wunderberichte von Kranken, die durch die Wallfahrt hierher geheilt wurden. Der Legende nach versuchte daraufhin der Pfarrer aus dem Nachbardorf Vynen die Marienstatue und  wohl auch die damit einhergehenden Opfergaben für seine Kirche zu sichern – aber vergeblich. Die Statue kehrte stets zu ihrem Baum zurück. Da das Gnadenbild also offenbar hierher gehörte, ließ  Herzog Adolf I. von Kleve den Baum fällen und an seiner Stelle eine Kapelle errichten. 20 Jahre später stiftete seine Witwe, die Herzogin Maria von Burgund, ein Doppelkloster nach den Ordensregeln der heiligen Birgitta von Schweden. Das Kloster weihte man der „Seligen Maria am Baum“, und so hieß dann auch der Ort „Marienbaum“. Die Wallfahrt nach Marienbaum blühte auf, bis 200 Jahre später Kevelaer als Wallfahrtsort entstand und Marienbaum allmählich den Rang ablief. Die heutige Kirche „Mariä Himmelfahrt“ wurde im 18. Jahrhundert als Abteikirche des Klosters errichtet und ersetzte die alte, baufällige Kirche vor der Gnadenkapelle. Diese wurde damals in den Bau übernommen, und auch das Gnadenbild kann bis heute bewundert werden. Während das Kloster die Säkularisierung unter Napoleon nicht überstand, ist Marienbaum mit seiner reich ausgestatteten Kirche, und seiner idyllischen Ruhe bis heute beliebtes Ziel von Pilgern und Prozessionen aus der Umgebung.

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Wallfahrt Marienbaum

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Man hätte die Engelkirche irgendwo bauen können. Und irgendwie. Dass man sie gerade hier in dieser Form errichtete, ist ein starkes Zeichen. Und ihr richtiger Name - „Friedenskirche zu den Heiligen Engeln“ ist ein klares Plädoyer von Menschen, die zu der Zeit gerade einen fürchterlichen Krieg überlebt hatten. Denn die Engelkirche steht auf den Fundamenten einer militärischen Verteidigungsanlage – dem Fort Fusternberg. Die Festung Wesel war schon seit Jahrhunderten ein Bollwerk der Verteidigung. Oftmals stark umkämpft, wurden ihre Verteidigungsanlagen immer wieder ausgebaut. Fort Fusternberg kam im 19. Jahrhundert hinzu. Wesel war damals wichtiger Waffenumschlagplatz und das Fort sollte die gerade dafür neu entstandenen Bahnlinien schützen.

Mit der Aufhebung der Festung 1886 verlor das Fort mehr und mehr an Bedeutung. Große Teile wurden daraufhin ab 1890 abgerissen, und die Überreste dienten in der Folge als Kartoffellager, Lazarett, Luftschutzbunker und, nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Notkirche. Es erschien wie ein Wunder, dass das Gebäude den Krieg überstanden hatte. Denn genau an der Stelle des heutigen Taufbeckens schlug eine 15-Zentner-Bombe ein, ohne zu detonieren. So entstand die Idee, hier einen der ungewöhnlichsten Kirchenbauten der Nachkriegszeit zu errichten. Der Kölner Architekt Hans Schilling machte aus dem alten Gebäude die heutige Krypta und die Katakomben und setzte das moderne Kirchenschiff darauf. Das Dach erinnert dabei tatsächlich an ein umgedrehtes Schiff und die blau leuchtenden Fenster sollen an Wasser erinnern. Mit ihren dicken, hohen Mauern führt die Kirche den wehrhaften Charakter der militärischen Anlage fort und wirkt wie ein Mahnmal. Besonders, wenn man bedenkt, dass die verwendeten Steine fast ausschließlich aus Trümmern der zerstörten Stadt stammten.

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Engelkirche

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Kies und Sand gelten als Gold des Niederrheins, ein Geschenk der Gletscher, die die begehrten Rohstoffe in der Eiszeit hierher schoben, und des Rheins und der Maas, die ebenfalls über viele tausende Jahre hier eine Menge davon abgelagert haben. Der Abbau der wichtigen Baustoffe ist bis heute unverzichtbar, hinterlässt allerdings zunächst deutliche Spuren. Doch das bleibt nicht so. Abbaugenehmigungen sind daran gekoppelt, dass die Abbauflächen nach der Nutzung für Mensch und Natur aufgewertet werden – quasi ein Upcycling im ganz großen Stil.  Aus den alten Kies- und Sandgruben, die meist auf ökologisch wenig wertvollem Land entstanden, können wie hier durch Renaturierung ökologisch wirklich wertvolle Lebensräume entstehen. Und zwar am besten solche, die sonst inzwischen Mangelware sind. Die bieten dann nicht nur seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause, sondern auch uns Menschen eine Landschaft mit hohem Erholungswert. Aus den verschiedenen Abbauflächen hat man hier ein großflächiges Biotopverbundsystem geschaffen, das mit seinem hohen Anteil an offenen Mager- und Sandrasen vor allem die Tier- und Pflanzenarten anzieht, die es trocken und sonnig mögen. Das Dumme ist, dass solche offenen Flächen im mitteleuropäischen Klima leider nicht lange so bleiben. Sie verbuschen rasch und bewalden sich letztendlich. Man muss also immer eingreifen und Arbeit und Kosten hineinstecken, um die Flächen frei zu halten. Oder? Zum Glück haben sich Landschaftspfleger gefunden, die diese Arbeit ehrenamtlich und äußerst zuverlässig leisten: Schottische Hochlandrinder nämlich. Nicht zu viele natürlich, es soll ja keine intensive, sondern eine extensive Beweidung sein, aber eben genügend, um den Bewuchs niedrig zu halten. Diese Aufgabe haben Rinder traditionell auf solchen mageren Böden jahrhundertelang übernommen. Heute besinnen wir uns wieder darauf und profitieren von den fleißigen Landschaftspflegern, die auch Landschaftswächter sind: denn mit einem Stier auf der Weide erscheint die Idee, hier verbotenerweise wild zu zelten, Feuer zu machen oder Cross zu fahren, wohl wenig verlockend.

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Die Renaturierung alter Kies- und Sandgruben

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Warum ist eine Landschaft so, wie sie ist? Was hat sie dazu gemacht? Die friedliche Idylle um uns herum gibt auf den ersten Blick wenig von ihrem Ursprung preis und macht es schwer vorstellbar, dass hier einst wahre Urgewalten am Werk waren. Tatsächlich war die Landschaft hier während der Eiszeit alles andere als idylisch: die ungebändigten Flusssysteme von Rhein und Maas lagerten enorme Mengen an Schotter und Kies ab, und gigantische Gletscher türmten nicht weit entfernt riesige Geröllmassen zu den heutigen Niederrheinischen Höhen auf. Nach der Eiszeit, in unserer jetzigen Wärmeperiode, gruben Schmelzwässer dann im Verlauf vieler 1000 Jahre stark geschlungene Rinnen und Senken in die Schotterterrassen. Dieses Nebeneinander von höher gelegenen, trockeneren Terrassen – den Donken - und feuchten Niederungen – den Kendeln -  hat sich bis heute erhalten und erklärt die charakteristische Kleinteiligkeit der hiesigen Landschaft. Denn die Menschen haben sich bei der Landnutzung natürlich daran orientiert. In den niedrig liegenden, feuchten Kendeln ließ sich kein Acker anlegen - auf den höher gelegenen Donken aber schon. Die Kendeln taugten dagegen gut als Wiesen- und Weideland. Und Siedlungen und Gehöfte entstanden meist an den Grenzlinien  von Donk und Kendel – viele Orts- und Straßennamen wie die nahgelegene Gaesdonker Straße erzählen noch davon. Hier der kleine Bachlauf liegt in einer solchen Kendel und heißt praktischerweise genauso. Die an den Bach angrenzenden Kopfbäume sind typisch für die feuchte Niederung, manchmal findet man auch noch einen angrenzenden Auwald und wenn man etwas weiter schaut, sieht man die höher gelegenen Ackerflächen. Zugegeben – die Höhenunterschiede sind mit ein bis zwei Meter für uns Betrachter kaum sichtbar. Aber wenn Sie gleich mit dem Rad weiterfahren, dann achten Sie mal darauf: die Wechsel zwischen feuchten Niederungen und höher gelegenen, trockenen Bereichen kann man hier im Kendel- und Donkenland tatsächlich bemerken.

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Kendel und Donken

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Archäologen bei der Arbeit? Da denken wir immer an Menschen, die die Erde nach Zeugnissen früherer Kulturen durchkämmen. Dabei gibt es dank moderner Technik viel mehr Möglichkeiten. Mit Magnetometer-Messgeräten können Veränderungen im Boden geortet werden, ohne dass ausgegraben werden muss, und viele Erkenntnisse gewinnt man bekanntlich am besten mit einigem Abstand – das heißt in diesem Fall aus der Luft. Im Boden verborgene Strukturen beeinflussen nämlich das Pflanzenwachstum - Pflanzen wachsen über Mauerresten oder befüllten Gräben anders – höher oder niedriger -  als auf normalem Boden. Und während man davon nichts wahrnimmt, wenn man mitten auf der Wiese steht, treten die Unterschiede auf Luftaufnahmen deutlich zu Tage.
Mit Hilfe solcher Luftbilder ist Archäologen hier ein völlig unerwarteter Sensationsfund gelungen – ein bisher unbekanntes Römerlager, erstaunlich groß, und erstaunlich stark befestigt. Die Forschung steht noch am Anfang, und so weiß man bisher nur, dass es wohl kein dauerhaftes Lager war, sondern dass immer wieder kurzfristige Militärlager mit unterschiedlichen Ausdehnungen angelegt wurden, das erste vielleicht um ca. 70 n. Chr. Damit könnte das Lager als Reaktion auf den Bataveraufstand entstanden sein, bei dem die batavischen Truppen gegen die römische Herrschaft in Niedergermanien rebellierten und das nahegelegene Lager Vetera beim heutigen Xanten überfielen. Die ungewöhnlich große Anzahl von vier bis fünf Gräben an manchen Stellen weist jedenfalls auf eine besondere Bedrohungslage hin. Und sie lässt uns bis heute staunen, welche ungeheure Pionierarbeit die römischen Legionäre trotz eher kurzfristiger Stationierung hier leisteten. Gräben, Holzwälle, Wachtürme und verschiedenste Gebäude -  es ist passend, dass ausgerechnet eine dolabra, die typische Pionieraxt der Legionäre zu den bisherigen Fundstücken zählt. Ohne sie wäre der langanhaltende Erfolg der römischen Legionen undenkbar gewesen.

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Das Römerlager in Till

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