Weite Felder, Auwiesen, Kopfbäume und natürlich der Rhein – das sind wohl die typischen Elemente, an die man bei der niederrheinischen Landschaft denkt. Schließlich ist das hier nicht der Bayrische Wald oder der Harz. Wälder gibt es aber natürlich auch hier – der Reichswald ist der Größte und Bekannteste, aber überall im Kreis Kleve gibt es Waldstücke, die Spaziergänger anziehen. Dabei ist Wald nicht gleich Wald, und verschiedene Interessensgruppen haben ganz unterschiedliche Ansprüche. Ein Forstwirt sieht den Marktwert des Rohstoffs Holz, Spaziergänger schätzen dagegen die Ruhe und die gute Luft und Tieren nützt der Wald immer dann am meisten, wenn Menschen möglichst die Finger davon lassen. Der Holzhunger von Industrie und Bergbau führte ab dem 19. Jahrhundert vermehrt zur Aufforstung mit schnellwachsenden Nadelhölzern wie Kiefern, Fichten oder Douglasien. Auch die Waldverluste durch den Zweiten Weltkrieg konnten durch Nadelforste am schnellsten wieder wett gemacht werden. Außerdem war und ist Nadelholz in der Moderne das meist verwendete Holz. Aber: reine Nadelwälder sind sehr schädlings- und sturmanfällig. Außerdem lässt ihre ganzjährige, dichte Benadelung nur wenig Sonnenlicht und Niederschlag zum Boden. Sie sind daher als Lebensraum für viele Tierarten ungeeignet. Deshalb hat inzwischen ein Umdenken eingesetzt. Viele Nadelholzforste werden sukzessive in Mischwälder umgewandelt, denn heimische Laubbäume sind robuster und für viele Tierarten attraktiv. Vor allem, wenn man genügend Totholz im Wald belässt, denn das ist die Lebensgrundlage für Pilze und Insekten. Und die dienen dann wiederum einer Vielzahl größerer Tiere als Leckerbissen.
Die Zauberworte heißen Vielfalt und Nachhaltigkeit. Man kann durchaus einen Wald gewinnbringend und gleichzeitig verantwortungsvoll bewirtschaften, zum Beispiel indem man kleine Naturwaldzellen sich selbst überlässt und wertvolle Biotopbäume mit bei vielen Tieren beliebten Höhlen verschont. Hier am Niederrhein bezieht sich Vielfalt außerdem auf verschiedene Waldformen. Es gibt bodensaure Eichen- und Buchenwälder, nasse Erlenbruchwälder und Weichholz-Auenwälder an den Altrheinarmen und unbefestigten Uferstrecken. Jede dieser Waldformen bietet unterschiedlichen Arten einen Lebensraum und prägt auf ihre Weise die Einzigartigkeit der niederrheinischen Landschaft.

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Wald

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Wie Sie sehen, fuhr hier früher einmal die Bahn. Als Verbindung zwischen verschiedenen Orten für Menschen. Und, ebenfalls offensichtlich: heute tut sie das nicht mehr. Trotzdem verbindet diese Bahnlinie nach wie vor, allerdings keine Wohnorte für uns Menschen, sondern Lebensräume für Tiere. Denn es ist ja so: Bebaute Flächen und Felder, die als Lebensraum für die meisten Tierarten nicht in Frage kommen, breiten sich immer weiter aus. Der Begriff der „ausgeräumten Landschaft“ veranschaulicht den Prozess ziemlich deutlich. Und dazwischen gibt es – Gott sei Dank – Rückzugsräume, in denen die Natur sich noch entfalten darf. Kleine Wälder, Feuchtwiesen oder andere naturnahe Biotope bieten Refugien für eine Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Aber: die kleinen Paradiese liegen wie Inseln im Meer der intensiv bewirtschafteten Felder, Straßen und Ortschaften. So ein Inselleben funktioniert aber auf Dauer nicht. Pflanzen und Tiere wollen sich ausbreiten, wandern, und für den Erhalt der Art ist genau wie bei uns Menschen ein genetischer Austausch erforderlich. Menschen wissen schließlich auch schon lange, dass man besser im Nachbardorf auf Brautsuche geht. Deshalb ist es notwendig, Verbindungen zwischen den einzelnen Rückzugsräumen zu gewährleisten - „Biotopvernetzung“ nennt man das.
Das können Alleen oder – hier am Niederrhein häufig – Kopfbaumreihen sein, kleine Bachläufe oder Hecken und blütenreiche Ackerränder. Oder eben Sträucher und Bäume entlang einer alten Bahnlinie, so wie hier.  Die werden als Biotop-Verbindung von Vögeln, Fledermäusen, Erdkröten, Igeln und vielen anderen Tieren gern genutzt.

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Alte Bahnlinie

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Die Idee, einen Baum oder Blumen anzupflanzen, einfach weil sie hübsch aussehen, ist wohl eher neu. In Zeiten, in denen sich Menschen weitgehend selbst versorgten, hatte alles, was sie anpflanzten, irgendeinen Nutzen. Meistens sogar mehrere. Die Esskastanie zum Beispiel ist ein echter Tausendsassa. Mit der Rosskastanie ist sie übrigens gar nicht verwandt. Den gleichen Namen haben sie nur aufgrund der ähnlich aussehenden Früchte. In gerösteter Form sind Esskastanien wohl jedem vom Weihnachtsmarkt bekannt. Man kann die nährstoffreichen Früchte aber auch zu Mehl zermahlen und vielfältig verarbeiten. Nicht umsonst galten sie im Mittelalter oft als „Brot der Armen“. Heute erleben sie auch in der gehobenen Küche eine Renaissance. Aber früher wurden nicht nur die Früchte genutzt. Die Blätter eigneten sich wunderbar als Dünger oder Einstreu von Stallungen. Außerdem wurden sie zur Behandlung von Husten, Durchfall und als Wundverband verwendet. Die Borke eignete sich zum Ledergerben, und vor allem das Holz war aufgrund seiner langen Haltbarkeit gut geeignet, um Möbel, Balken, ja sogar Brücken oder Schiffe zu bauen. Dazu wurden die Kastanien hier in der Region wohl nicht verwendet, aber manch ein Weidepfosten oder Gartenzaun wurde sicher aus dem hochwertigen Holz gefertigt. Dass die Esskastanie sich überhaupt in Deutschland findet, ist wohl den römischen Soldaten zu verdanken, die sie als Proviant aus dem warmen Süden über die Alpen mitbrachten. Vielerorts ist es den Bäumen in Deutschland zu kalt, doch das vergleichsweise milde Klima am Niederrhein vertragen sie und sind daher häufiger zu finden. Das freut im Übrigen nicht nur die Menschen. Auch Krähen, Eichelhäher und Eichhörnchen lieben die dicken Früchte und helfen den Bäumen durch ihren Sammeltrieb bei ihrer Verbreitung. Die hiesige Allee dürfte schon etwa 100 Jahre alt sein, dafür sprechen die dicken Stämme mit teilweise über vier Metern Umfang und der hohe Anteil an Totholz und Höhlen. Das macht die Bäume ökologisch außerordentlich wertvoll. Denn abgestorbenes Holz ist für viele Insektenarten als Brutstätte wichtig – und vielerorts leider Mangelware. Auch Höhlen in alten Bäumen finden sich viel zu selten, dabei sind sie ein wichtiger Lebensraum für verschiedene, seltene Tiere wie Fledermäuse, Spechte oder den Steinkauz. Und so ist die Kastanienallee hier nicht nur ein schönes Landschaftselement, das dem Ort ein bisschen südliches Flair verleiht, sondern auch ein wunderbarer Beitrag zum Artenschutz.

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Esskastanienallee

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Vor 2000 Jahren markierte der Rhein hier die Grenze der zivilisierten Welt. Auf dieser Seite  brannte das römische Öllämpchen der Kultur, während auf der anderen Seite Germanen... na, Sie wissen schon. Diese Zivilisation und vor allem ihr Geld galt es gegen barbarische Begierden zu verteidigen. Das Kastell Quadriburgium war Teil der Abwehrmaßnahmen. An seiner Stelle befindet sich das heutige Qualburg und man kann noch den Grund erahnen, der diesen Ort so geeignet für eine Festung erscheinen ließ. Er liegt auf halben Weg zwischen den großen Militärstandorten von Xanten und Nijmegen. Beide waren durch eine Römerstraße verbunden und es war die Aufgabe der hier stationierten Soldaten, sie zu verteidigen. Hier unten in der Rheinebene konnten sie kleinere Germanenbanden mit mehr oder weniger freundlichem Nachdruck davon überzeugen, ihre Pläne von der Plünderung römischer Gebiete aufzugeben. Größeren Truppen konnte die Besatzung von Quadriburgium lange genug standhalten, um den viel größeren Garnisonen der Legionslager Zeit zum Anrücken zu geben. So kamen Germanengruppen zwar vielleicht zum Plündern auf römisches Reichsgebiet, aber nicht mehr zurück. So etwas sprach sich herum und bescherte der römischen Welt am Rhein über Jahrhunderte relative Sicherheit.
Das alles war der römische Limes. Zum Teil bestand er aus Wällen und Gräben, wie weiter südlich im sogenannten „Obergermanisch-Rätischen Limes“. Hier dagegen nutzten die Römer den Rhein als natürliche Grenze. Damit war der Limes ein tiefgestaffeltes System von unterschiedlich großen Stützpunkten, die flexibel auf wechselnde Bedrohungslagen reagieren konnten. Dieser Satz hätte auch aus der Pressekonferenz eines modernen Verteidigungsministers stammen können, beschreibt aber tatsächlich die Situation vor etwa 1600 Jahren, die sich hier mit dem Dorfhügel und im Boden verborgenen Kastellresten erhalten hat.

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Quadriburgium

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Bodenständig - der Wiesenpieper

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Watvögel - Uferschnepfe und Großer Brachvogel

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Watvögel - Kiebitz und Rotschenkel

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Vögel müssen arbeiten

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