Als Laie denkt man sich ein Vogelnest eigentlich immer auf einem Baum. Dabei ist das längst nicht immer so. Viele Vögel – zum Beispiel Watvögel – bauen ihre Nester in kleinen Mulden am Boden. Sie tun das am liebsten auf offenen, feuchten Grünflächen. Denn dort können die Tiere mit ihren Jungen nach Insekten oder Würmern suchen. Kein Wunder, dass sich hier im Naturschutzgebiet Salmorth mit seinen weiten Wiesen, den Uferstreifen des Griethauser Altrheins und den Überschwemmungsflächen viele der gefährdeten Watvögel beobachten lassen. Der Rotschenkel zum Beispiel. In den weichen, feuchten Böden stochert er mit seinem sensiblen, langen Schnabel nach solchen Leckerbissen. Seinen typischen Ruf kann man hier ab April hören, wenn die Vögel aus ihren Winterquartieren eintreffen. Auch Kiebitze kehren um diese Zeit zurück. Mit imposanten Balzflügen verteidigen die Männchen dann ihr Territorium. Vielleicht haben Sie Glück und können von hier aus die Sturzflugmanöver beobachten, bei denen die Tiere sich laut rufend in der Luft hin und her werfen und mit ihren Flügeln wummernde Geräusche erzeugen. Früher brauchte man sich um den Bestand der Kiebitze nicht zu sorgen – Bismarck bekam jährlich zu seinem Geburtstag 101 der als Delikatesse geltenden Kiebitzeier geschenkt. Der drastische Rückgang der Kiebitzbestände hat allerdings andere Gründe. Feuchtwiesen sind heute in der Rheinaue selten, weil der Grundwasserspiegel immer weiter sinkt. Das wiederum liegt an der  Begradigung des Rheins und der Einengung seiner Überschwemmungsgebiete. Der Strom fließt dadurch schneller und gräbt sich tiefer in sein Flussbett. Seit 1900 ist der Rhein um mehrere Meter abgesunken. Die trockeneren Wiesen können wiederum besser bewirtschaftet werden. Intensive Grünlandnutzung mit starker Düngung, häufigem Schnitt und Herbizideinsatz beseitigt die Vielfalt an Wiesenkräutern und damit die Lebensgrundlage für viele Insekten. Diese Insekten fehlen wiederum als Nahrungsgrundlage für Vögel. Fatal für die bodenbrütenden Watvögel ist auch eine zu frühe Mahd der Flächen, der viele Eier oder Küken zum Opfer fallen. Im Naturschutzgebiet Salmorth werden zum Glück viele Flächen extensiv und rücksichtsvoll bewirtschaftet. Der Wert dieses Rückzugsraums kann deshalb gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

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Salmorth

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Man kann es kaum glauben, aber der Spoykanal war einst Kleves Tor zu Welt. Denn schon im Mittelalter war der Rhein der wichtigste Handelsweg im Deutschen Reich. Für eine Stadt wie Kleve war es äußerst ungünstig, dass der große Strom so nah, aber eben doch nicht direkt an der Stadt vorbei floss. Das war Anfang des 15. Jahrhunderts dem ehrgeizigen Herrscher Graf Adolf II. von Kleve ein Dorn im Auge. Deshalb beauftragte der Graf und spätere Herzog die Anbindung seiner Residenzstadt an den Rhein durch den Bau eines Kanals. Das war damals wirklich innovativ – der Spoykanal gilt als eine der ältesten künstlichen Wasserstraßen Deutschlands – und man kann nur ahnen, wie  aufwändig sein Bau war. Schließlich war der vier Kilometer lange Kanal weitgehend Handarbeit. Im 17. Jahrhundert musste der inzwischen versandete Kanal wiederhergestellt werden. Außerdem errichtete man die heute unter Denkmalschutz stehende Schleuse bei Brienen. Die wurde aber immer wieder durch starke Hochwässer zerstört, und auch der Kanal war mit einigen Untiefen für schwere Schiffe kaum befahrbar. Erst die Bedürfnisse der Industrie im 19. Jahrhundert brachten eine Verbesserung. Der preußische Staat sorgte für den Neubau der Schleuse und eine Austiefung des Kanals. Immerhin 600 Schiffe pro Jahr fuhren damals den Klever Hafen an, um Kohle zu liefern und Getreide ab zu transportieren. Anfang des 20. Jahrhunderts brummte hier die Industrie. Man errichtete eine neue Schleuse, vertiefte abermals den Kanal und verlegte das Hafengelände. Die Kohlen aus dem Ruhrgebiet konnten nun quasi bis vor die Haustür des damals gerade errichteten Gaswerks geliefert werden. Inzwischen ist es ruhig geworden um die alten Industrien. Am alten Hafen geht es aber auch heute sehr geschäftig zu. Denn hier steht seit 2009 die neue Hochschule Rhein-Waal.

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Spoykanal

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Ist das nicht ein spektakulärer Ausblick? Der Weg hier hoch auf den Springenberg mit dem Obelisken hat sich gelohnt, oder? Sie sehen einen Teil der barocken Parkanlage mit dem Prinz-Moritz-Kanal. Und der liegt genau auf der Sichtachse, die bis zum Eltenberg auf der anderen Rheinseite führt. Sie denken, das sei Zufall? Keineswegs. Es ist Teil einer ausgeklügelten und äußerst aufwendig gestalteten Parklandschaft, die der brandenburgische Stadthalter Johann Moritz Fürst von Nassau-Siegen vor rund 350 Jahren konzipierte. Ein Projekt solcher Größenordnung kann man sich heute kaum vorstellen: die Umwandlung der wald- und hügelreichen Umgebung von Kleve in einen Landschaftspark, ungefähr 10 mal so groß wie die Stadt selbst, mit künstlichen Hügeln und eigens angelegten Sichtachsen, Kanälen und Alleen – und das hauptsächlich für die unvergleichlichen Aussichten. Der neue Tiergarten im Barockstil mit dem Prinz-Moritz-Kanal bildete den Mittelpunkt dieser Parklandschaft. Sie können es von hier oben nicht sehen, aber vor allem das Amphitheater unten am Steilhang mit der großen Minerva-Statue in seiner Mitte ist ein Meisterstück barocker Gartenkunst und zeigt, wie geschickt Johann Moritz die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft nutzte. Sie sollten dort auf jeden Fall noch einmal vorbei schauen. Auch der Weg auf den künstlich angelegten Sternberg hinter Ihnen lohnt sich. Einige der ursprünglich zwölf Sichtachsen sind noch erhalten oder wieder hergestellt. Sie können von dort die Klever Schwanenburg und bei gutem Wetter sogar das weit entfernte Schloss Moyland sehen. Zweifellos hatten die Klever mit Johann Moritz viel Glück, denn der an Kunst und Wissenschaft interessierte, weit gereiste Mann war seiner Zeit sicher ein Stück weit voraus. So machte er den neuen Tiergarten als ersten deutschen Park überhaupt für alle Bürger zugänglich.  Viele Menschen waren begeistert von diesem Park, darunter sogar prominente Besucher wie Voltaire. Die Skulptur „Neuer Eiserner Mann“ unten am Kanal vom Bildhauer Stephan Balkenhol steht heute an Stelle des ursprünglichen, durch napoleonische Truppen zerstörten „Eisernen Mannes“ und erinnert an den visionären Schöpfer der Parklandschaft. Von besonderem Wert ist heute auch der Forstgarten mit seiner umfangreichen Baumsammlung. Er wurde im 19. Jahrhundert vom Düsseldorfer Gartenarchitekten Maximilian Weyhe angelegt, nachdem große Teile des Parks durch die napoleonischen Kriege in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Im Kontrast zum barocken Gartenstil mit der streng geometrischen Aufteilung gestaltete Weyhe diesen Teil möglichst naturnah im Stil eines englischen Landschaftsgartens. Heute sind beide Gartenkonzepte nebeneinander vorhanden, und so ist der Spaziergang durch den neuen Tiergarten zugleich auch ein Gang durch die europäische Kulturgeschichte der Gartenkunst.

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Neuer Tiergarten

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Schleiereulen sind ja so niedlich! Die schwarzen Knopfaugen, der herzförmige, weiße Gesichtsschleier - damit können sie sogar Grimassen schneiden - dann das hübsche, leicht gesprenkelte helle Federkleid...wirklich: süße Vögel! Feldmäuse sehen das ganz anders! Für sie sind die Tiere ein fliegender Alptraum, denn sie besitzen eine brillante Jagdausrüstung. Der etwas nach innen gewölbte Gesichtsschleier hilft, die Geräusche der Beute optimal zum Gehör zu leiten. Die Ohren sitzen in leicht unterschiedlicher Höhe am Kopf. Dadurch wird ein dreidimensionales akustisches Bild der Beute erzeugt. Auch die großen Augen funktionieren hervorragend im Dunkeln. Und dann sind da noch die Flügel, die vorn gezähnt und auf der Oberseite mit Flaumhärchen versehen sind und so ein nahezu lautloses Flügelschlagen ermöglichen – zusammen mit den messerscharfen Krallen eine todsichere Sache...Als zuverlässige Mäusefänger waren Schleiereulen eigentlich immer gern gesehene Gäste in menschlichen Siedlungen, auch wenn die nächtlichen Jäger gleichzeitig als Hexenvögel und Todesboten gefürchtet waren. Immerhin gab es meist ein extra „Uhlenloch“ in Kirchtürmen und Scheunen oder Ställen, wo die Tiere am liebsten brüten und ruhen. So sind sie schnell in offenem Gelände am Siedlungs- oder Wegrand, wo sie bevorzugt jagen. Sie sind damit typische Kulturfolger und in fast allen Regionen der Erde verbreitet. Ab Ende März brüten sie je nach Mäuseangebot ein- bis dreimal pro Jahr drei bis zwölf Eier aus. Die Brutpaare haben dabei ein traditionelles Rollenmodell – das Weibchen brütet, das Männchen jagt. In guten Mäusejahren nach milden Wintern paaren sich manchmal beide Eltern noch mit anderen Partnern und schaffen so einen richtigen Patchworkbrutplatz. Der Bruterfolg der Schleiereulen steht und fällt natürlich mit geeigneten Brutplätzen und ausreichender Beute. Nachdem Abbrüche und Sanierungen von Kirchtürmen und Scheunen immer mehr Brutplätze vernichteten, waren die Tiere in den 1970er Jahren stark gefährdet. 1977 führte die Wahl zum Vogel des Jahres  zu vermehrten Schutzmaßnahmen, die zu einer Erholung der Bestände führten. Sie sind aber immer noch von Naturschutzmaßnahmen abhängig, besonders, weil die natürlichen  Lebensräume ihrer Beutetiere durch Flurbereinigungen und intensive Landwirtschaft immer weiter dezimiert werden. Auf dem Hof, den Sie hinter der Obstwiese sehen, sind Schleiereulen zum Glück seit vielen Jahren zu Hause und herzlich willkommen.

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Schleiereule

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Die Gemeinde Uedem ist heute ein beschaulicher, idyllischer Ort. Könnte er sprechen, ergäbe sich ein anderes Bild, denn auf seinem Boden haben sich viele Dramen abgespielt. Dabei hatte alles so ruhig und idyllisch begonnen. Eigentlich war Uedem immer ein Ackerbürgerstädtchen, in dem hauptsächlich Bauern lebten, die die umliegenden Felder bewirtschafteten. Das Umland von Uedem galt schon im Mittelalter als Kornkammer des Klever Landes. Die „Uemse Knoll“, eine bronzene Rübe am Rathaus erinnert noch heute an die lange landwirtschaftliche Tradition. Der Ort ist auf jeden Fall schon über 1000 Jahre alt. Mitte des 14. Jahrhunderts erhielt Uedem das Stadtrecht, und kurz darauf wurden die Stadtbürger aus der Hörigkeit befreit. Das heißt, sie waren nicht mehr von Geburt an fest an das Land und seinen Besitzer gebunden, sondern konnten es pachten, sogar selbst erwerben oder wegziehen – ein Schritt, den die meisten deutschen Bauern erst im 19. Jahrhundert vollziehen konnten. Uedem war damals zweifellos ein angenehmer Ort zum Leben, doch auch die besten Bedingungen schützen leider nicht vor Unglück. Im Lauf der Zeit brachen verschiedene Katastrophen über die Stadt herein: marodierende Söldnerheere 1604 im 80-jährigen Krieg, die Pest, drei schwere Stadtbrände, und unter französischer Besatzung verlor Uedem schließlich sein Stadtrecht. Im 19. Jahrhundert hielt aber auch die industrielle Revolution Einzug. Der Ort entwickelte sich zu einem Zentrum der Schuhproduktion, insbesondere für Arbeits- und Soldatenstiefel. Und der Anschluss ans Schienennetz der Bahn eröffnete neue logistische Möglichkeiten. Leider hielt das Schicksal noch einen besonders schweren Schlag bereit. Anders als viele andere Landgemeinden blieb Uedem von den Kämpfen und Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nicht verschont, sondern lag quasi mitten im Auge des Sturms. Rund um Uedem tobten erbitterte Panzerschlachten, die auch viele zivile Opfer forderten. Uedem selbst wurde stark zerstört. Die Schlachten markierten einen wichtigen Punkt in der Geschichte, denn danach konnten die Alliierten den Rhein überqueren und große Teile des Ruhrgebiets einnehmen. Bis heute ist das Gebiet von großer militärischer Bedeutung: denn von hier erfolgt die Überwachung und Verteidigung des deutschen und nordwesteuropäischen NATO-Luftraums. Natürlich gibt es noch viel mehr über Uedem zu erfahren. Wer etwas Zeit mitbringt, sollte unbedingt dem historischen Rundweg folgen. Am Markt beginnend können Sie auf aufgestellten Tafeln viele interessante Details über die Uedemer Geschichte lesen oder als Hörtext anhören. Achten Sie dabei auch auf die im Boden eingelassenen glänzenden Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, die den jüdischen Opfern der Nazizeit ein Denkmal setzen.




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Uedem

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Die Römer wussten, wie man Straßen baut. Manche Römerstraßen gibt es heute noch. Sie wurden mit Steinen unterfüttert und aus wechselnden Schichten von Schotter und Kies erstellt. Das hielt der Belastung durch Fuhrwerke und Hufe längere Zeit stand und verhinderte, dass starke Niederschläge den Boden nach und nach fortspülten. Im Mittelalter ging dieses Wissen zunehmend verloren. Wege blieben in der Regel unbefestigt und verwandelten sich je nach Jahreszeit und Wetter in Staubwüsten oder kaum passierbaren Morast. Wies der Boden ein kleines Gefälle auf, führte das ablaufende Regenwasser nach und nach zu einer immer tieferen Aushöhlung. Dadurch entstanden die sogenannten Hohlwege. An ihren Seiten pflanzte man oft Bäume, um die Erde am Feldrand zu befestigen. Die mit der Zeit entstehenden Hecken an den Böschungen wurden beschnitten, um die Durchfahrt zu gewährleisten und auch, um Überfällen aus dem Hinterhalt vorzubeugen. Denn dafür war so ein etwas düsterer Hohlweg natürlich auch geeignet, das weiß man schon aus „Wilhelm Tell“. Die berühmte „hohle Gasse“, in der Tell dem verhassten Landvogt Gessler auflauerte, war nämlich auch ein Hohlweg. Die meisten Hohlwege waren landwirtschaftliche Transportwege und kommunale Verbindungen. Manch einer nutzte sie auch, um den Wegzoll auf größeren Straßen zu umgehen.  
Aus ökologischer Sicht sind die Hohlwege eine glückliche Fügung und ein gutes Beispiel dafür, wie Elemente unserer alten Kulturlandschaft wertvolle Ökosysteme geschaffen haben. Denn die Hohlwege bilden zwischen den Feldern oft eine Verbindung zwischen verschiedenen Biotopen. Und sie bieten an sich einen artenreichen Lebensraum. An ihren Rändern siedelte sich eine vielfältige Tier- und Pflanzengemeinschaft an. Die Teils besonnten Böschungen und Abbruchkanten sind ein beliebter Lebensraum für Wildbienen, Hummeln oder Wespen. Auch Eidechsen und Erdkröten fühlen sich hier wohl, und Sträucher entlang der Böschung bieten verschiedenen Vogelarten gute Brutbedingungen und kleinen Säugetieren wie Igeln Nahrung und Unterschlupf. Nachts locken die vielen Insekten Fledermäuse an. Inzwischen sind viele Hohlwege eingeebnet oder befestigt worden, so wie dieser Weg, auf dem sie stehen. Dadurch haben sie leider einiges von ihrem ökologischen Wert eingebüßt. Aber manche der alten, unbefestigten Hohlwege existieren auch hier in der Umgebung bis heute. Sie versucht man zu bewahren – als bedeutsamen Teil unserer Kulturlandschaft, und als ökologisches Refugium.

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Hohlwege

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Wir kennen die Geschichte der Siedler in Nordamerika: lange, gefahrenvolle Wege und Strapazen für ein neues Stück Land. Doch bevor die Europäer begannen, weit entfernte Kontinente zu besiedeln, suchten sie auch im eigenen Land nach neuen Nutzflächen für Ackerbau und Viehzucht. Ein sumpfiger Wald zum Beispiel oder feuchte Talauen: vielleicht konnten die urbar gemacht werden? Ja, das konnten sie. Allerdings mit einem riesigen Aufwand - immerhin gab es keine Bagger, die einem die Arbeit erleichtern konnten. Das Gebiet Uedemerbruch erzählt noch heute von den enormen Anstrengungen, die die Menschen hier früher unternahmen, um Land zu gewinnen. Auf Geheiß des Grafen von Kleve begann man in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein System von Entwässerungsgräben anzulegen. Und das machte man nicht irgendwie, sondern mithilfe holländischer Fachleute, sogenannter „broeker“. Schließlich waren die Holländer notgedrungen schon immer Entwässerungsexperten. So entstand die Siedlung Uedemerbruch, und einige der Gräben existieren bis heute. Überhaupt hat sich die Landschaftsstruktur hier seit Jahrhunderten im Großen und Ganzen wenig geändert. Die Lage der Höfe, die Wege, die Obstwiesen, die Waldstücke und Hecken - viele Elemente des Uedemerbruchs erlauben einen Blick in die Vergangenheit. Für Kulturhistoriker ist das ein Glück. Sie können in der Kulturlandschaft lesen wie in einem Buch. Aber auch der ökologische Wert ist hoch. Schließlich haben sich menschliche Kultur und Natur hier lange gemeinsam miteinander entwickelt und verwoben. Besonders die Tatsache, dass das Uedemerbruch im Laufe der Jahrhunderte doch wieder stärker vernässte und für Ackerbau nur mäßig geeignet war, hat hier einzigartige Ökosysteme geschaffen. Streuobstwiesen zum Beispiel, die einer Vielzahl von Tierarten wie dem gefährdeten Steinkauz einen guten Lebensraum bieten. Oder die feuchten Eichen-Hainbuchenwälder: naturbelassen mit viel Totholz bieten sie vielen Insekten und verschiedenen Spechtarten ein Zuhause. Auch Grabenböschungen, Hecken oder alte, naturbelassene Hohlwege wie die westlich des Thelenhofes und südwestlich des Paulsbergs beherbergen viele Tierarten. Sogar Wiesenbrüter wie den Kiebitz findet man hier, obwohl gerade diese Gruppe es nicht leicht hat, weil auch im Uedemerbruch inzwischen viele Flächen intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Dort, wo oft und früh gemäht wird oder zu viele Kühe grasen, haben diese Vögel kaum eine Zukunft. Auch andere Tier- und Pflanzenarten können auf überdüngten Flächen mit Pestizid- und Herbizideinsatz auf Dauer nicht existieren. Gerade das kulturhistorische Interesse bietet hier aber Chancen für den Naturschutz. Denn zur Bewahrung der typisch niederrheinischen Kulturlandschaft wie hier im Uedembruch gehört auch der Erhalt der artenreichen Tier- und Pflanzenwelt.

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Uedemerbruch

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Die Idee, die Kraft des Windes zu nutzen, ist schon ungefähr so alt wie die Zivilisation. Zuerst half er Schiffen bei der Fortbewegung, in der Moderne dann Heißluftballons, und  lange schon trieb er Mühlen an und half bei der Herstellung der unterschiedlichsten Produkte. Nach der Entdeckung der Elektrizität kam dann schnell die Idee auf, auch Strom mithilfe des Windes zu erzeugen. Die ersten Windkraftanlagen entstanden tatsächlich schon Ende des 19. Jahrhunderts, also lange vor der Ölkrise, dem Treibhauseffekt oder Fukushima. Inzwischen wird die Nutzung von Windkraft immer effizienter und ist überall auf dem Vormarsch. Noch generiert Wind nur einen bescheidenen Anteil des weltweit benötigten Stroms, doch sein Potential ist eigentlich unerschöpflich und die Vorteile  offensichtlich. Wind ist eine unendliche Ressource, vielerorts verfügbar, und die Anlage eines Windparks vergleichsweise günstig - jedenfalls an Land. Sogenannte „Offshore-Parks“ im Meer sind bei den dortigen Windstärken natürlich noch ergiebiger, aber ihr Bau ist deutlich schwieriger und damit teurer. Die meisten Windparks entstehen deshalb immer noch „Onshore“ - also an Land. Und wie in der Immobilienbranche gilt auch hier: „Lage, Lage, Lage“. Der Erfolg und die Akzeptanz eines Windparks hängen grundlegend davon ab. Anwohner fühlen sich oft durch den Schattenwurf gestört. Und vor allem für Greifvögel, Zugvögel und Fledermäuse endet die Begegnung mit einem Windrad gar nicht gut. Und selbst, wenn die Tiere nicht „unter die Räder“ geraten, so geht doch mit jedem Windpark wieder ein Stück Lebensraum verloren, besonders wenn er – wie so oft – waldnah errichtet wird. Viele Arten werden also durch Windenergie bedroht – das verschlechtert natürlich die Ökobilanz dieser eigentlich umweltfreundlichen Energiequelle sehr. Klar ist, wir brauchen Windenergie, und viele Kommunen setzen zunehmend darauf. Uedem zum Beispiel deckt mit Windkraft und Biogasanlagen sogar mehr Strom als den Eigenbedarf. Grundsätzlich aber muss die Standortwahl den Anwohnern und der Tierwelt Rechnung tragen. Hierfür werden bestimmte Zonen festgesetzt,  an denen sich Städte und Gemeinde orientieren müssen. Dann können Windparks ein echtes Zukunftsmodell sein.

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Windkraft

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Der Marktplatz ist noch heute Gochs Zentrum. Von hier lässt sich die wechselvolle Geschichte der Stadt auf einem ausgeschilderten Rundgang erwandern. Damit folgt man den Spuren des Geldes, das hier im Herzen der Stadt erwirtschaftet wurde. Graf Otto II. War dem allgemeinen Trend gefolgt und hatte Goch im 13. Jahrhundert gegründet. Städte sammelten Wirtschaftskraft und verschafften Adligen Einkünfte und Status. Die Gocher Wollproduktion war wohl ein Erfolg, denn sonst wäre die mittelalterliche Befestigung nicht bezahlbar gewesen. So konnte man schon etwa 100 Jahre nach der Stadtgründung das Steintor bestaunen. Eine Stadtmauer und Tore dienten nur zum Teil der Verteidigung. Ebenso wichtig war, dass die Stadt damit ihren Wohlstand zeigen konnte. In heutiger Zeit wäre ein solches Stadttor oder auch eine Kirche wohl ein Wolkenkratzer.
Richtig weiter ging es dann aber erstmal nicht. Der Woll- und Tuchmarkt geriet in eine Krise und im Rahmen der Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts war diese Gegend Aufmarschgebiet der unterschiedlichsten Heere – Spanier, Niederländer, Franzosen. Ganz Europa gab sich militärisch die Klinke in die Hand. Ruhe kehrte erst mit den Preußen im Jahr 1815 ein. Beliebt waren sie im Rheinland nicht, denn als Protestanten stand ihnen die katholische Bevölkerung reserviert gegenüber. Und man war gut katholisch in Goch, brachte man doch mit Arnold Janssen einen echten Heiligen hervor, dessen Haus man ebenfalls auf dem Stadtrundgang findet. Aber die Preussen brachten mit der Eisenbahn den Fortschritt nach Goch. Verschiedene Industriezweige siedelten sich an und die Bevölkerung wuchs rapide. Das machte die Stadt aber auch im 2. Weltkrieg zum Bombenziel. Als geschäftiges Mittelzentrum spiegelt Goch so fast 800 Jahre niederrheinische Geschichte, in der die europäische Wirtschaft und die große europäische Geschichte das Leben der Menschen bis heute prägt.

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Goch

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