Für die Natur war und ist es häufig immer noch eine heikle Nachricht, wenn wir Menschen an einem Ort Bodenschätze finden. Egal ob Öl, Kohle oder seltene Mineralien – die Gewinnung begehrter Rohstoffe bedeutet immer einen Eingriff in die Landschaft. Das ist nicht zu beschönigen und die Notwendigkeit eines solchen Eingriffs sollte immer genau geprüft werden. Hier am Niederrhein sind es Kies und Sand, die an verschiedenen Stellen abgebaut werden. Sie wurden hier massenhaft abgelagert durch Gletscher in der Eiszeit und durch die urzeitlichen Flusssysteme, aus denen später der Rhein und die Maas hervorgingen. Und so sieht man am Niederrhein viele große Sandgruben und Baggerseen. Denn auf den Abbau dieser wichtigen Baustoffe verzichten kann man kaum. Strikte Abgrabungsgegner bezeichnen dies als Raubbau. Allerdings hat sich unser Verständnis für ökologische Zusammenhänge in den letzten Jahrzehnten stetig gesteigert, und so ist es inzwischen selbstverständlich, dass nach Beendigung der Rohstoffgewinnung die Abbauflächen für die Natur aufbereitet werden. Neue Abbaugenehmigungen sind fest an konkrete Renaturierungskonzepte gekoppelt. So entstehen durch den Kies- und Sandabbau oft vielfältige Biotope, deren ökologischer Wert die ursprüngliche Landschaft deutlich übersteigen kann. Schauen Sie sich einmal hier um. Alle Seen um uns herum sind alte Baggerseen, die durch gezielte Maßnahmen zu einem Mosaik aus unterschiedlichen Biotopen wurden. Hier haben Fische, Vögel und Amphibien oder sogar der Biber einen Lebensraum gefunden. Dass die Seen eigentlich nicht natürlich sind, ist oft kaum noch zu erkennen und mindert weder ihren Erholungswert, noch stört es die zum Teil seltenen Pflanzen und Tiere. Wenn man bedenkt, dass praktisch alle heutigen europäischen Landschaften vom Menschen geprägt und mehr oder wenig bewusst gestaltet wurden, ist Natürlichkeit vielleicht sowieso nicht mehr der entscheidende Faktor. Wichtig ist, dass wir möglichst viele ökologisch wertvolle Flächen erhalten oder wie hier neu schaffen, die die lebenswichtige Artenvielfalt fördern und schützen. Denn das nützt am Ende auch uns.

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Renaturierung alter Baggerseen

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Wenn man ein nasses Hemd zum Trocknen aufhängt, kann man gut beobachten, wie das Wasser allmählich nach unten läuft und dann auf den Boden tropft. Hier vor uns ist die Situation ganz ähnlich. Die Hügelkette im Hintergrund ist eine alte Stauch-Endmoräne, also eigentlich nichts anderes als ein gewaltiger Sand- und Geröllhaufen, den Gletscher in der Eiszeit aufstauten. Regenwasser sickert durch den sandigen Boden und drückt am Fuß der Moräne aus vielen Kleinstquellen heraus. Deshalb ist der Boden dort immer ziemlich nass. Auf rund vier Kilometern Länge und bis zu 300 Metern Breite erstreckt sich daher die sogenannte Niedermoorrinne des Moyländer Grabens und bietet mit ihren unterschiedlich feuchten Böden vielfältige, wertvolle Lebensräume. Erlenbruchwälder, Röhrichte, Feuchtgrünland, Kleingewässer, der Bachlauf und angrenzende Laubwaldbestände bieten hier einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten ein Refugium inmitten intensiv landwirtschaftlich genutzter Flächen. Zurecht ist der Moyländer Bruch deshalb seit 2010 Naturschutzgebiet. In den Erlenbruchwäldern gedeihen noch seltene Pflanzen wie die Sumpf-Calla, die Wasserfeder und verschiedene Seggen-Arten.  Kleine Feuchtwiesen und extensiv genutzte Weiden bieten gute Brutmöglichkeiten für gefährdete Vögel, und der Bachlauf und die aus alten Torfgruben entstandenen Teiche sind wieder für andere Arten attraktiv. Außerdem dient das lang gezogene Gebiet als Verbindung zu anderen Biotopen. Besonders die Laubwälder sind mit ihrem hohen Altholzbestand etwas Besonders. Als Teil des Großgrundbesitzes rund um Schloss Moyland wurden die Wälder hier nicht intensiv forstwirtschaftlich genutzt. Auch die Bevölkerung durfte hier kein Feuerholz schlagen, und so finden sich einige uralte Eichen und Buchen. Natürlich kann noch einiges verbessert werden: Fichten und Hybridpappeln etwa sollten nach und nach bodenständigem Laubwald weichen und entwässerte ehemalige Bruchwaldflächen wieder vernässt werden. Der begradigte Bachlauf könnte renaturiert, und alles Grünland ausschließlich extensiv genutzt werden. So könnte der ökologische Wert dieses Naturschutzgebietes noch weiter gesteigert werden.

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Naturschutzgebiet Moyländer Bruch

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Vom Adelsschloss zum Amphibienparadies

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Man soll es nicht meinen, aber die Römer haben ihr Weltreich auf Ziegeln aufgebaut. Ohne Ziegeleien wäre der römische Erfolg nicht denkbar gewesen. Nachdem die Römer aus unserer Region verschwunden waren und ihre Tricks mitgenommen hatten, brauchten wir Germanen etwa 650 Jahre, um den Kniff mit den Ziegeln wieder herauszubekommen. Erst im 12. Jahrhundert tasteten wir uns wieder langsam an die Ziegelbrennerei heran. Für diese Gegend waren Ziegel ein Segen – da brauchen wir uns nur die Kirchen, Burgen oder Stadtmauern anzuschauen, denn Steine gibt es hier kaum, und wenn man mit ihnen bauen will, ist der Transport sehr teuer.

Glücklicherweise haben die verschiedenen Eiszeiten und der Rhein für Ersatz gesorgt. Ton, aus dem Ziegel hergestellt werden, wurde hier reichlich abgelagert. Auf der Basis dieses heimischen Rohstoffs entstanden Tongruben und Ziegeleien, von denen heute allerdings nur noch wenige in Betrieb sind. Tonziegel sind inzwischen anderen Baumaterialien gewichen, und es werden eher Fliesen als Boden- oder Wandbelag hergestellt. Deshalb wird das Naturprodukt nicht mehr so stark nachgefragt wie zu den Zeiten, als man noch so ziemlich alles damit baute. Die alten Gruben holt sich die Natur zurück – läßt man sie in Ruhe, laufen sie voll und werden zu stillen Teichen. Dieses Beispiel zeigt, wie überraschend tief eine Landschaft in ihrer uralten Entstehungsgeschichte verwurzelt ist. Nicht nur Natur- und Kulturräume hängen vom Boden, den Landschaftsformen und vom Wasser ab – selbst die Zeugnisse unserer Zivilisation werden davon geprägt und verleihen umgekehrt einer Gegend ihren ganz besonderen Charakter. Damit hören die Wechselwirkungen aber nicht auf. Die stillgelegten Tongruben der verschwundenen Ziegeleien gibt es manchmal noch. Sie sind zu Teichen geworden und bieten in diesem Fall wieder heimischen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum, der zu unserem Niederrhein gehört wie die Ziegel.

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Tongruben und Ziegeleien

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Landwehr - Wasserlauf und Grenze

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Der Wald auf dem Eltenberg

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