Wenn wir an einem schönen Tag die Auenlandschaft des Niederrheins anschauen, macht sie einen trügerisch ruhigen Eindruck. In Wirklichkeit waren die weiten, ebenen Flächen mit ihren Weiden, Kopfbäumen und verstreuten Gewässern bis vor 150 Jahren der Gewalt des Rheinstroms ausgesetzt. Und der floss nicht immer nur ruhig dahin, wie Heine es in seiner Loreley besingt. Hochwasser konnten mit verheerender Gewalt innerhalb von Stunden einen ganzen Landstrich verändern, so dass man ihn hinterher kaum wiedererkannte.Tatsächlich ist eine Wooj eine Art Teich, und zwar ein sogenannter Kolk. Diese entstehen bei einem Deichbruch. Das schnell durch die Lücke strudelnde Wasser tieft hinter dem Bruch eine Mulde aus - den Kolk. Zieht sich das Hochwasser zurück, bleibt ein neuer Teich, wo vorher noch nicht einmal eine Mulde gewesen sein muss.

An dieser Stelle hier brach der Deich bei einem Hochwasser im 19. Jahrhundert. Noch heute bildet der langgezogene Kolk, die Droste Woy, direkt hinter dem Rheinbanndeich das Herzstück dieser reich strukturierten Auenlandschaft, die Teil des über 600 Hektar großen Naturschutzgebietes ist. Das steile Westufer bietet gute Brutmöglichkeiten für den Eisvogel. Mit ganz viel Glück können Sie hier vielleicht einen der Meistertaucher im leuchtend blau-orangen Federkleid entdecken. Es ist schon bewundernswert, wie der kleine Vogel im Rüttelflug über dem Wasser nach Beute Ausschau hält und dann in einem Sturzflug unter Wasser nach der Beute taucht.

Die heckenartigen Gehölze hier am Ufer sind für viele Vögel, Insekten und Kleinsäuger ein wertvoller Lebensraum, ebenso wie die abgestorbenen Kopfulmen. Mit ihren alten Baumhöhlen sind sie ein Paradies für Insekten und Höhlenbewohner wie den seltenen Steinkauz oder verschiedene Fledermausarten. Und das kann in Zeiten des massiven Artenrückgangs gar nicht genug wertschätzen.

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Droste Woy

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Noch vor 40 Jahren war die Bislicher Insel ein Wirtschaftsstandort – hier wurde Kies gewonnen, und auf den Campingplätzen konnte man es sich gut gehen lassen. Heute sind es Pflanzen und Tiere, die es sich hier gut gehen lassen. Die Campingplätze sind verschwunden,  der Kiesabbau ist längst Geschichte, und man hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um die einst vom mäandernden Rhein geschaffene Auenlandschaft zu renaturieren. Zum Beispiel durch Wegerückbau, flache Ufer und –ganz wichtig– Flutmulden. Die großen Mulden hinter dem Rheindeich werden bei Hochwasser oder Dauerregen geflutet. Damit hat man vor allem für Watvögel eine echte Oase geschaffen. Denn die lieben offene, feuchte Flächen. Dort können die Tiere mit ihren Jungen nach   Insekten oder Würmern suchen. Der Rotschenkel zum Beispiel. In den weichen, feuchten Böden stochert er mit seinem sensiblen, langen Schnabel nach solchen Leckerbissen. Seinen typischen Ruf kann man hier ab April hören, wenn die Vögel aus ihren Winterquartieren hier eintreffen. Auch Kiebitze kehren um diese Zeit zurück. Mit imposanten Balzflügen verteidigen die Männchen dann ihr Territorium. Weithin sichtbar sind die Sturzflugmanöver, bei denen die Tiere sich laut rufend in der Luft hin und her werfen und mit ihren Flügeln wummernde Geräusche erzeugen. Früher brauchte man sich um den Bestand der Kiebitze nicht zu sorgen – Bismarck bekam jährlich zu seinem Geburtstag 101 der als Delikatesse geltenden Kiebitzeier geschenkt. Der drastische Rückgang der Kiebitzbestände hat allerdings andere Gründe. Feuchtwiesen sind heute rar, weil der Grundwasserspiegel immer weiter sinkt. Das wiederum liegt größtenteils an der künstlichen Einengung des Rheins und seiner Überschwemmungsgebiete. Der fließt dadurch schneller und gräbt sich tiefer in sein Flussbett. Dazu trägt auch der motorisierte Schiffsverkehr bei. Seit 1900 ist der Strom um mehrere Meter abgesunken. Die trockeneren Wiesen werden wiederum intensiver landwirtschaftlich genutzt, das bedeutet mehr Pestizide, weniger Insekten, weniger Nahrung. Fatal für den Kiebitz ist eine zu frühe Mahd der Flächen, der viele Eier oder Küken zum Opfer fallen. Der Wert solcher Rückzugsräume wie hier kann deshalb gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Auf dem Zug rasten hier sogar Seltenheiten wie Kampf- oder Alpenstrandläufer. Auch Austernfischer lassen sich manchmal blicken. Die krähengroßen, schwarz-weißen Vögel mit dem roten Schnabel trifft man eigentlich eher an der Küste. Hier haben sie sich auf das sogenannte „Wurmgrunzen“ spezialisiert: durch Trampeln erzeugen sie Vibrationen, die Regenwürmer aus dem Boden locken. Nehmen Sie sich Zeit und gewinnen Sie – natürlich aus rücksichtsvollem Abstand - einen Einblick in das Leben der Watvögel.

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Bislicher Insel Flutmulde

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Jeder kennt Hirschkäfer mit dem imposanten geweihartigen Oberkiefer der Männchen. Aber haben Sie schon einmal einen gesehen? In freier Wildbahn? In ihrem Garten etwa oder vielleicht im Stadtwald? Nein? Das ist kein Wunder, denn die „fliegenden Hirsche“ gehören leider zu den sehr seltenen Tierarten. Ihre Eier legen die Weibchen im morschen Holz von Baumstümpfen oder abgestorbenen Baumresten ab. Dort leben dann auch die Larven und brauchen bis zu sechs Jahre, um sich zu einem erwachsenen Käfer zu entwickeln. Solches Totholz fehlt aber meistens in den heutigen Wäldern. Hier im Naturschutzgebiet Diersfordter Wald sieht die Sache zum Glück anders aus. Der Wald bietet reichlich Totholz. Er ist deshalb zu einem echten Refugium für Hirschkäfer mit einem der größten Vorkommen in Nordrhein-Westfalen geworden. Mit viel Glück können Sie von etwa Mitte Juni bis Ende Juli eines der seltenen Tiere im Wald entdecken. Der lichte, totholzreiche Wald bietet einer Vielzahl von Tieren, Pflanzen und Pilzen ein Zuhause. Unzählige Insekten brauchen wie der Hirschkäfer das Alt- und Totholz als Brutstätte. Auch seltene Vögel wie Kolkrabe, Pirol oder Wespenbussard finden hier einen Lebensraum. Alte Bäume mit Höhlen bieten vor allem Spechten und verschiedenen Fledermausarten ein Zuhause. Der Wald hier ist ein sogenannter „bodensaurer Eichenwald“. Sandige Ablagerungen aus der Eiszeit haben den relativ kargen Boden geformt, mit dem nur wenige Pflanzenarten zurecht kommen. Hier sind es vor allem Stieleichen, vereinzelte Rotbuchen und Kiefern, mit denen der Wald aufgeforstet wurde, als man im Ruhrgebiet besonders viel Holz im Bergbau benötigte. Heute bemühen sich Naturschützer, den Wald wieder in den ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen. Die Kiefern sollen in den nächsten Jahren wieder Stieleichen weichen, um die besondere Lebensgemeinschaft hier im Diersfordter Wald zu stärken. Man hat gute Chancen, auf seinem Spaziergang auch Wildschweine oder Hirsche beobachten zu können. Das Wild sorgt durch seinen Verbiss dafür, dass die offenen Landschaftselemente des Naturschutzgebiets wie Sandheiden, Binnendünen und Sandtrockenrasen nicht wieder verwalden. Denn auch dort leben an die Landschaft hervorragend angepasste seltene Pflanzen und Tiere wie die Heidelerche, die Zauneidechse oder der Baumfalke. Und noch eine dritte, faszinierende Lebenswelt gibt es im Naturschutzgebiet: die Heidemoore. Hätten Sie gedacht, dass es hier fleischfressende Pflanzen gibt wie den Sonnentau oder den Gelben Wasserschlauch? Krickenten, Graugänse und Zwergtaucher können hier ungestört brüten, und die Große Moosjungfer, eine seltene Libellenart vollführt hier wahre Flugkunststücke. Folgen Sie dem gut gekennzeichneten Bohlenweg und erleben Sie im Frühling ein imposantes Konzert von Hunderten der seltenen Moorfrösche.

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Diersfordter Wald

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Was wir hier sehen, ist eine Art Second-Hand-Landschaft, vor wenigen Jahren entstanden auf alten Kies-Abbauflächen. Und wir sehen auch, warum der Standort für den Kiesabbau  so günstig war: von unserer Anhöhe aus blicken wir auf die tieferliegenden, ehemaligen Abbauflächen, die bereits renaturiert wurden. Ursprünglich war das Geländeniveau dort ebenso hoch wie hier. Kies und Sand lagen quasi auf dem Silbertablett und konnten einfach mit großen Baggern als Trockenabgrabung abgebaut werden. Anders als bei einer Nassabgrabung, bei der der Grundwasserspiegel freigelegt wird, entstanden daher hier keine Baggerseen.
Diese riesigen Sand- und Kiesflächen waren ein Geschenk des letzten Eiszeitalters. Damals, vor hunderttausenden von Jahren, flossen Rhein, Niers und Maas nicht geordnet an einem Platz, sondern bildeten wilde Flusssysteme, in denen sich das Wasser immer wieder neue Wege suchte. Dabei wurden hier große Massen Kies und Sand zu immer neuen Sandbänken abgelagert. Mit dem Ende der letzten Eiszeit, vor ca. 10.000 Jahren, änderte sich das Abflussverhalten der Flüsse. Sie begannen zu mäandrieren, also in weiten Bögen durch die Niederrheinische Landschaft zu fließen und gestalteten diese weiter um. Teilweise trugen sie nun wieder fort, was sie in all den Jahrtausenden zuvor hier abgelagert hatten und schufen Auen und weite Niederungen. Zurück blieb die sogenannte „Terasseninsel Hees“, die die begehrten Rohstoffe bereithielt, und auf der Sie nun stehen.
Die Abbruchkanten, die die Bagger hier hinterlassen haben, zeigen, wie hoch hier der Sand lag und lassen uns erahnen, welche Urgewalten einst hier am Werk waren.

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Bagger als Geschichtslehrer

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Stellen Sie sich vor, sie würden ihren Kopf wie einen Presslufthammer gegen einen Baum schlagen. Nein? Keine Lust auf starke Kopfschmerzen und Gehirnerschütterung? Spechte machen genau das bis zu 12.000 Mal am Tag. Wie das funktioniert? Nun, zum einen sitzt ihr Gehirn relativ fest im Kopf, wird also nicht hin und her geschleudert, wie es bei uns der Fall wäre. Es ist von starken Knochen umgeben und liegt oberhalb des Schnabels, sodass die Wucht des Aufpralls das Gehirn nicht direkt trifft. Zum anderen federn biegsame Knochengelenke und kräftige Schnabelmuskeln die harten Schläge ab – eine Art eingebauter Stoßdämpfer. Und diese Sonderausstattung brauchen sie, denn das Klopfen der Spechte ist Kommunikationsmittel – sehr stimmgewaltig sind sie nämlich nicht – und Lebensgrundlage. Denn so hacken sie nicht nur die Rinde von Bäumen, um begehrte Nahrung wie Käfer oder Ameisen freizulegen, sondern vor allem zimmern sie sich auf diese Weise geduldig ihre Wohn-, Schlaf- und Bruthöhlen. Und davon profitieren nicht nur sie selbst, sondern ungefähr 60 andere Tierarten, die nach dem Specht in die komfortablen Höhlen einziehen – Fledermäuse zum Beispiel, Eichhörnchen oder Hornissen. Damit sind Spechte so etwas wie die Architekten des Waldes und vor allem ein Indiz für lebendige und vielfältige Wälder. Zum lebendigen Wald gehört nämlich ironischerweise vor allem viel Totholz, und das brauchen die Spechte, denn es birgt nahrhafte Insekten und lässt sich leichter aushöhlen. Hier am Niederrhein werden Sie wie überall am ehesten die schwarz-weiß-roten Buntspechte sehen, mit etwas Glück auch die markanten Schwarz- oder Grünspechte, und ganz vielleicht als Kenner auch Mittel- und Kleinspechte.
Der Name „Schluckspecht“ ist übrigens ganz ungerecht – die findigen Vögel hacken zwar wirklich im Frühling gern Löcher in Ahorn- oder Birkenbäume, um an den süßen Saft zu gelangen. Vergoren ist der aber nicht.

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Die Spechte

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Wie gut, dass es am Niederrhein so viele Deiche gibt. Denn sie schützen nicht nur unsere Ortschaften und Felder vor Hochwasser, sondern sie sind auch letzte Refugien für viele selten gewordene Arten. Vor allem blütenreiche Wiesen. Bunte Blumenwiesen waren früher weit verbreitet und charakteristisch für die Niederrheinlandschaft. Auf den höher gelegenen Bereichen der Aue mit ihren relativ trockenen Böden in unserem milden Klima wuchsen sogenannte Halbtrockenrasen und Glatthaferwiesen, die einer Vielzahl von Arten einen wunderbaren Lebensraum boten. Die Intensivierung der Landnutzung hat diese Ökosysteme inzwischen fast gänzlich verdrängt. Da ist es ein Glück, dass sich Deiche einem grünen Band gleich durch die Niederrheinische Landschaft ziehen. Bei einer extensiven Nutzung haben die bunten, wärmeliebenden Wiesenblumen und Wildkräuter dort noch eine Chance. Jedenfalls da, wo man zur Pflege der Deiche auf extensive Bewirtschaftung, also auf eine geringe Düngung setzt. Eine späte Mahd im Juni oder eine Beweidung zum Beispiel durch Schafe, wie es hier geschieht, sind auch hilfreich. Schafe sind perfekte Deich-Rasenmäher. Solange sie nur gelegentlich grasen, kommen die Blumen trotzdem zu ihrer Blüte – und das freut natürlich auch viele, zum Teil seltene Insekten, die dringend auf die blütenreichen Refugien auf den Deichen angewiesen sind. So eine extensive Beweidung und Pflege hilft außerdem dem Hochwasserschutz: die Schafe treten die Grasnarbe schön fest, und die wenig gedüngten Pflanzen bilden in den nährstoffarmen Böden eine dichte, tief und fest ineinander verwurzelte Pflanzendecke aus – das schützt vor Erosionen. Leider werden auch die Deiche oft nur noch gemäht und nicht mehr zeitweise beweidet. Dort wachsen dann nur noch Gräser, die kaum Nahrung für Insekten bieten. Vor allem macht die  intensive Düngung starkes Wurzelwachstum überflüssig, weil immer genügend Nährstoffe direkt verfügbar sind. Die Pflanzen sind daher weniger fest verwurzelt, und der Deich wird anfälliger für Erosionsschäden. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft möglichst überall die Deiche extensiv gepflegt werden und so eine farbenprächtige Vielfalt bieten wie hier.

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Blütenreiche Deiche

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Eigentlich hatte die Natur alles super geregelt. Es gab große Flüsse wie den Rhein, die flossen, wo und wie sie wollten. Und alle Pflanzen und Tiere hatten ihr Leben bestens daran angepasst. In Überflutungsgebieten der Flüsse wuchsen Bäume und Sträucher, die mit dem vielen Wasser umgehen konnten. Sie bildeten die Auwälder und boten einer Vielzahl von Tieren ideale Lebensbedingungen. In besonders nassen Teilen wuchsen vor allem Silberweiden und Pappeln – als sogenannte Weichholz-Auwälder. In höher gelegenen, weniger häufig überfluteten Bereichen standen dagegen Hartholz-Auwälder. Stieleichen, Ulmen und Eschen gediehen hier besonders gut und ließen mit ihren hohen Baumkronen vielen anderen Bäumen und Sträuchern genug Licht. Hartholzauwälder gehören deshalb zu den artenreichsten Waldtypen in ganz Europa. Leider zählen sie heute auch zu den seltensten. Denn diese höher gelegenen Bereiche der Aue bieten auch fruchtbare Böden. Schon die Römer begannen daher damit, die Auwälder zu roden. So gewann man Weideland und zusätzlich noch eine Menge Holz. Nach den späteren Eindeichungen konnten auf den ehemaligen Hartholz-Auwaldflächen sogar hochproduktive Äcker angelegt werden. Diese Entwicklung führte hier am Niederrhein zum völligen Verschwinden der Hartholzauwälder. In den 1990er Jahren hat man dann erstmals versucht, gegenzusteuern. Das Ergebnis ist der kleine Auwald hier vor uns – etwas ganz Besonderes. Nach umfangreicher Planung wurde er damals mit großem Aufwand neu aufgeforstet. Dabei konnte niemand sicher sagen, ob das Experiment gelingen würde. Inzwischen gedeiht der Wald hier aber langsam und stetig, und eine Vielzahl von Bewohnern wie Libellen, Falter, Käfer, Vögel, Frösche oder Fledermäuse beweist, dass sich der Aufwand lohnt.

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Hartholz Auwälder

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Für die Natur war und ist es häufig immer noch eine heikle Nachricht, wenn wir Menschen an einem Ort Bodenschätze finden. Egal ob Öl, Kohle oder seltene Mineralien – die Gewinnung begehrter Rohstoffe bedeutet immer einen Eingriff in die Landschaft. Das ist nicht zu beschönigen und die Notwendigkeit eines solchen Eingriffs sollte immer genau geprüft werden. Hier am Niederrhein sind es Kies und Sand, die an verschiedenen Stellen abgebaut werden. Sie wurden hier massenhaft abgelagert durch Gletscher in der Eiszeit und durch die urzeitlichen Flusssysteme, aus denen später der Rhein und die Maas hervorgingen. Und so sieht man am Niederrhein viele große Sandgruben und Baggerseen. Denn auf den Abbau dieser wichtigen Baustoffe verzichten kann man kaum. Strikte Abgrabungsgegner bezeichnen dies als Raubbau. Allerdings hat sich unser Verständnis für ökologische Zusammenhänge in den letzten Jahrzehnten stetig gesteigert, und so ist es inzwischen selbstverständlich, dass nach Beendigung der Rohstoffgewinnung die Abbauflächen für die Natur aufbereitet werden. Neue Abbaugenehmigungen sind fest an konkrete Renaturierungskonzepte gekoppelt. So entstehen durch den Kies- und Sandabbau oft vielfältige Biotope, deren ökologischer Wert die ursprüngliche Landschaft deutlich übersteigen kann. Schauen Sie sich einmal hier um. Alle Seen um uns herum sind alte Baggerseen, die durch gezielte Maßnahmen zu einem Mosaik aus unterschiedlichen Biotopen wurden. Hier haben Fische, Vögel und Amphibien oder sogar der Biber einen Lebensraum gefunden. Dass die Seen eigentlich nicht natürlich sind, ist oft kaum noch zu erkennen und mindert weder ihren Erholungswert, noch stört es die zum Teil seltenen Pflanzen und Tiere. Wenn man bedenkt, dass praktisch alle heutigen europäischen Landschaften vom Menschen geprägt und mehr oder wenig bewusst gestaltet wurden, ist Natürlichkeit vielleicht sowieso nicht mehr der entscheidende Faktor. Wichtig ist, dass wir möglichst viele ökologisch wertvolle Flächen erhalten oder wie hier neu schaffen, die die lebenswichtige Artenvielfalt fördern und schützen. Denn das nützt am Ende auch uns.

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Renaturierung alter Baggerseen

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Wenn man ein nasses Hemd zum Trocknen aufhängt, kann man gut beobachten, wie das Wasser allmählich nach unten läuft und dann auf den Boden tropft. Hier vor uns ist die Situation ganz ähnlich. Die Hügelkette im Hintergrund ist eine alte Stauch-Endmoräne, also eigentlich nichts anderes als ein gewaltiger Sand- und Geröllhaufen, den Gletscher in der Eiszeit aufstauten. Regenwasser sickert durch den sandigen Boden und drückt am Fuß der Moräne aus vielen Kleinstquellen heraus. Deshalb ist der Boden dort immer ziemlich nass. Auf rund vier Kilometern Länge und bis zu 300 Metern Breite erstreckt sich daher die sogenannte Niedermoorrinne des Moyländer Grabens und bietet mit ihren unterschiedlich feuchten Böden vielfältige, wertvolle Lebensräume. Erlenbruchwälder, Röhrichte, Feuchtgrünland, Kleingewässer, der Bachlauf und angrenzende Laubwaldbestände bieten hier einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten ein Refugium inmitten intensiv landwirtschaftlich genutzter Flächen. Zurecht ist der Moyländer Bruch deshalb seit 2010 Naturschutzgebiet. In den Erlenbruchwäldern gedeihen noch seltene Pflanzen wie die Sumpf-Calla, die Wasserfeder und verschiedene Seggen-Arten.  Kleine Feuchtwiesen und extensiv genutzte Weiden bieten gute Brutmöglichkeiten für gefährdete Vögel, und der Bachlauf und die aus alten Torfgruben entstandenen Teiche sind wieder für andere Arten attraktiv. Außerdem dient das lang gezogene Gebiet als Verbindung zu anderen Biotopen. Besonders die Laubwälder sind mit ihrem hohen Altholzbestand etwas Besonders. Als Teil des Großgrundbesitzes rund um Schloss Moyland wurden die Wälder hier nicht intensiv forstwirtschaftlich genutzt. Auch die Bevölkerung durfte hier kein Feuerholz schlagen, und so finden sich einige uralte Eichen und Buchen. Natürlich kann noch einiges verbessert werden: Fichten und Hybridpappeln etwa sollten nach und nach bodenständigem Laubwald weichen und entwässerte ehemalige Bruchwaldflächen wieder vernässt werden. Der begradigte Bachlauf könnte renaturiert, und alles Grünland ausschließlich extensiv genutzt werden. So könnte der ökologische Wert dieses Naturschutzgebietes noch weiter gesteigert werden.

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Naturschutzgebiet Moyländer Bruch

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