Wir kennen die Geschichte der Siedler in Nordamerika: lange, gefahrenvolle Wege und Strapazen für ein neues Stück Land. Doch bevor die Europäer begannen, weit entfernte Kontinente zu besiedeln, suchten sie auch im eigenen Land nach neuen Nutzflächen für Ackerbau und Viehzucht. Ein sumpfiger Wald zum Beispiel oder feuchte Talauen: vielleicht konnten die urbar gemacht werden? Ja, das konnten sie. Allerdings mit einem riesigen Aufwand - immerhin gab es keine Bagger, die einem die Arbeit erleichtern konnten. Das Gebiet Uedemerbruch erzählt noch heute von den enormen Anstrengungen, die die Menschen hier früher unternahmen, um Land zu gewinnen. Auf Geheiß des Grafen von Kleve begann man in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein System von Entwässerungsgräben anzulegen. Und das machte man nicht irgendwie, sondern mithilfe holländischer Fachleute, sogenannter „broeker“. Schließlich waren die Holländer notgedrungen schon immer Entwässerungsexperten. So entstand die Siedlung Uedemerbruch, und einige der Gräben existieren bis heute. Überhaupt hat sich die Landschaftsstruktur hier seit Jahrhunderten im Großen und Ganzen wenig geändert. Die Lage der Höfe, die Wege, die Obstwiesen, die Waldstücke und Hecken - viele Elemente des Uedemerbruchs erlauben einen Blick in die Vergangenheit. Für Kulturhistoriker ist das ein Glück. Sie können in der Kulturlandschaft lesen wie in einem Buch. Aber auch der ökologische Wert ist hoch. Schließlich haben sich menschliche Kultur und Natur hier lange gemeinsam miteinander entwickelt und verwoben. Besonders die Tatsache, dass das Uedemerbruch im Laufe der Jahrhunderte doch wieder stärker vernässte und für Ackerbau nur mäßig geeignet war, hat hier einzigartige Ökosysteme geschaffen. Streuobstwiesen zum Beispiel, die einer Vielzahl von Tierarten wie dem gefährdeten Steinkauz einen guten Lebensraum bieten. Oder die feuchten Eichen-Hainbuchenwälder: naturbelassen mit viel Totholz bieten sie vielen Insekten und verschiedenen Spechtarten ein Zuhause. Auch Grabenböschungen, Hecken oder alte, naturbelassene Hohlwege wie die westlich des Thelenhofes und südwestlich des Paulsbergs beherbergen viele Tierarten. Sogar Wiesenbrüter wie den Kiebitz findet man hier, obwohl gerade diese Gruppe es nicht leicht hat, weil auch im Uedemerbruch inzwischen viele Flächen intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Dort, wo oft und früh gemäht wird oder zu viele Kühe grasen, haben diese Vögel kaum eine Zukunft. Auch andere Tier- und Pflanzenarten können auf überdüngten Flächen mit Pestizid- und Herbizideinsatz auf Dauer nicht existieren. Gerade das kulturhistorische Interesse bietet hier aber Chancen für den Naturschutz. Denn zur Bewahrung der typisch niederrheinischen Kulturlandschaft wie hier im Uedembruch gehört auch der Erhalt der artenreichen Tier- und Pflanzenwelt.

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Uedemerbruch

Kolonie gleich um die Ecke

Wir kennen die Geschichte der Siedler in Nordamerika: lange, gefahrenvolle Wege und Strapazen für ein neues Stück Land. Doch bevor die Europäer begannen, weit entfernte Kontinente zu besiedeln, suchten sie auch im eigenen Land nach neuen Nutzflächen für Ackerbau und Viehzucht. Ein sumpfiger Wald zum Beispiel oder feuchte Talauen: vielleicht konnten die urbar gemacht werden? Ja, das konnten sie. Allerdings mit einem riesigen Aufwand - immerhin gab es keine Bagger, die einem die Arbeit erleichtern konnten. Das Gebiet Uedemerbruch erzählt noch heute von den enormen Anstrengungen, die die Menschen hier früher unternahmen, um Land zu gewinnen. Auf Geheiß des Grafen von Kleve begann man in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein System von Entwässerungsgräben anzulegen. Und das machte man nicht irgendwie, sondern mithilfe holländischer Fachleute, sogenannter „broeker“. Schließlich waren die Holländer notgedrungen schon immer Entwässerungsexperten. So entstand die Siedlung Uedemerbruch, und einige der Gräben existieren bis heute. Überhaupt hat sich die Landschaftsstruktur hier seit Jahrhunderten im Großen und Ganzen wenig geändert. Die Lage der Höfe, die Wege, die Obstwiesen, die Waldstücke und Hecken - viele Elemente des Uedemerbruchs erlauben einen Blick in die Vergangenheit. Für Kulturhistoriker ist das ein Glück. Sie können in der Kulturlandschaft lesen wie in einem Buch. Aber auch der ökologische Wert ist hoch. Schließlich haben sich menschliche Kultur und Natur hier lange gemeinsam miteinander entwickelt und verwoben. Besonders die Tatsache, dass das Uedemerbruch im Laufe der Jahrhunderte doch wieder stärker vernässte und für Ackerbau nur mäßig geeignet war, hat hier einzigartige Ökosysteme geschaffen. Streuobstwiesen zum Beispiel, die einer Vielzahl von Tierarten wie dem gefährdeten Steinkauz einen guten Lebensraum bieten. Oder die feuchten Eichen-Hainbuchenwälder: naturbelassen mit viel Totholz bieten sie vielen Insekten und verschiedenen Spechtarten ein Zuhause. Auch Grabenböschungen, Hecken oder alte, naturbelassene Hohlwege wie die westlich des Thelenhofes und südwestlich des Paulsbergs beherbergen viele Tierarten. Sogar Wiesenbrüter wie den Kiebitz findet man hier, obwohl gerade diese Gruppe es nicht leicht hat, weil auch im Uedemerbruch inzwischen viele Flächen intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Dort, wo oft und früh gemäht wird oder zu viele Kühe grasen, haben diese Vögel kaum eine Zukunft. Auch andere Tier- und Pflanzenarten können auf überdüngten Flächen mit Pestizid- und Herbizideinsatz auf Dauer nicht existieren. Gerade das kulturhistorische Interesse bietet hier aber Chancen für den Naturschutz. Denn zur Bewahrung der typisch niederrheinischen Kulturlandschaft wie hier im Uedembruch gehört auch der Erhalt der artenreichen Tier- und Pflanzenwelt.

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