Wenn Sie hier auf der Brücke stehen, sehen Sie einen Bach, der die Wahl hat. Linkes oder rechtes Bachbett, oder einfach beides. Das ist heute etwas ziemlich besonderes. Über Jahrhunderte war das hingegen ganz normal. Die Menschen mussten sich damit arrangieren, dass Flüsse und Bäche mäanderten, das heißt von Zeit zu Zeit ein anderes Flussbett suchten. Ganze Ortschaften lagen deshalb zum Beispiel manchmal links- und manchmal rechtsrheinisch, waren manchmal gut, und manchmal kaum erreichbar. Auch hier die Kendel tat lange Zeit, was sie wollte. Vor allem schlängelte sie sich durch die Landschaft und floss dadurch sehr gemächlich. Für die niederrheinischen Bauern, die in den feuchten Niederungen sowieso um jeden Meter Land kämpfen mussten, war das oft problematisch. Denn der Ernteerfolg steht und fällt hier mit der vernünftigen Entwässerung der Felder. Und ein langsam vor sich hin plätschernder Bach trägt Hochwasser oder übermäßiges Regenwasser eben viel langsamer mit sich fort als ein gerader, schnell fließender Bachlauf. Deshalb wurde die Kendel, so wie viele andere Fließgewässer fast überall begradigt. Dadurch floss sie schneller, nahm mehr Wasser mit sich fort, und die Bauern konnten ihre Felder bis an ihr Ufer ausweiten. Soweit so gut. Oder auch nicht, denn was für die Wirtschaftlichkeit der Felder gut war, war für den Bach schlecht. Ein natürlicher Bach ist ein komplexes Ökosystem mit großer Artenvielfalt. Aber ein begradigter Bach fließt für viele Arten eben zu schnell, seine steilen Ufer bieten für viele Pflanzen keinen geeigneten Lebensraum mehr, und wir verstehen allmählich, dass wir den Verlust dieser Artenvielfalt stoppen müssen. Nicht, weil ein natürlicher Bach schöner aussieht als ein Graben, oder weil unser Herz auch für kleine, unscheinbare Tiere schlägt, sondern einfach, weil wir immer mehr merken, wie sehr alle Arten, auch der Mensch, von anderen abhängen. Für Fließgewässer gibt es deshalb seit dem Jahr2000 EU-Wasserrichtlinien, um die Wassernutzung umweltfreundlicher zu gestalten.  Und so macht sich inzwischen der Wasser- und Bodenverband Baaler Bruch daran, die Kendel abschnittweise zu renaturieren, das heißt aus ihrem schmalen, geraden Bett zu befreien. Sie darf sich dort wieder langsam schlängeln und soll mit flachen Ufern vielen Arten erneut einen attraktiven Lebensraum bieten. Der große Aufwand der Begradigung wird nun also mit noch größerem, vor allem finanziellem Aufwand wieder rückgängig gemacht. Aber spätestens unsere Kinder werden sehen, dass der sich lohnt.

Zurück

Renaturierte Kendel

Zurück zu den Anfängen - die Renaturierung der Kendel

Wenn Sie hier auf der Brücke stehen, sehen Sie einen Bach, der die Wahl hat. Linkes oder rechtes Bachbett, oder einfach beides. Das ist heute etwas ziemlich besonderes. Über Jahrhunderte war das hingegen ganz normal. Die Menschen mussten sich damit arrangieren, dass Flüsse und Bäche mäanderten, das heißt von Zeit zu Zeit ein anderes Flussbett suchten. Ganze Ortschaften lagen deshalb zum Beispiel manchmal links- und manchmal rechtsrheinisch, waren manchmal gut, und manchmal kaum erreichbar. Auch hier die Kendel tat lange Zeit, was sie wollte. Vor allem schlängelte sie sich durch die Landschaft und floss dadurch sehr gemächlich. Für die niederrheinischen Bauern, die in den feuchten Niederungen sowieso um jeden Meter Land kämpfen mussten, war das oft problematisch. Denn der Ernteerfolg steht und fällt hier mit der vernünftigen Entwässerung der Felder. Und ein langsam vor sich hin plätschernder Bach trägt Hochwasser oder übermäßiges Regenwasser eben viel langsamer mit sich fort als ein gerader, schnell fließender Bachlauf. Deshalb wurde die Kendel, so wie viele andere Fließgewässer fast überall begradigt. Dadurch floss sie schneller, nahm mehr Wasser mit sich fort, und die Bauern konnten ihre Felder bis an ihr Ufer ausweiten. Soweit so gut. Oder auch nicht, denn was für die Wirtschaftlichkeit der Felder gut war, war für den Bach schlecht. Ein natürlicher Bach ist ein komplexes Ökosystem mit großer Artenvielfalt. Aber ein begradigter Bach fließt für viele Arten eben zu schnell, seine steilen Ufer bieten für viele Pflanzen keinen geeigneten Lebensraum mehr, und wir verstehen allmählich, dass wir den Verlust dieser Artenvielfalt stoppen müssen. Nicht, weil ein natürlicher Bach schöner aussieht als ein Graben, oder weil unser Herz auch für kleine, unscheinbare Tiere schlägt, sondern einfach, weil wir immer mehr merken, wie sehr alle Arten, auch der Mensch, von anderen abhängen. Für Fließgewässer gibt es deshalb seit dem Jahr2000 EU-Wasserrichtlinien, um die Wassernutzung umweltfreundlicher zu gestalten.  Und so macht sich inzwischen der Wasser- und Bodenverband Baaler Bruch daran, die Kendel abschnittweise zu renaturieren, das heißt aus ihrem schmalen, geraden Bett zu befreien. Sie darf sich dort wieder langsam schlängeln und soll mit flachen Ufern vielen Arten erneut einen attraktiven Lebensraum bieten. Der große Aufwand der Begradigung wird nun also mit noch größerem, vor allem finanziellem Aufwand wieder rückgängig gemacht. Aber spätestens unsere Kinder werden sehen, dass der sich lohnt.

Zur Übersicht Nächste Seite Zur Karte