Zu allen Zeiten mussten Menschen vor Krieg und Zerstörung flüchten und konnten lange Lieder davon singen, was es heißt, „Spielball der Mächte“ zu sein. Wer zwischen die Fronten gerät, hat eben Pech, da wird bis heute nicht lange gefackelt. Früher konnte auch bei uns schon mal ein ganzes Dorf dem Erdboden gleich gemacht werden, wenn es nur dem Sieg dienlich schien. Ein solches Bauernopfer war auch Büderich, das zur falschen Zeit am falschen Ort lag. Denn die direkt gegenüber liegende rechtsrheinische Festung Wesel bildete seit 1805 den äußersten Punkt des napoleonischen Reiches und wurde in den folgenden Jahren zu einem Bollwerk der Verteidigung ausgebaut. Zwei Forts wurden errichtet, eines auf der Büdericher Insel, das andere direkt vor den Toren Büderichs. Und schon als Napoleon auf dem Weg zu seinem Russlandfeldzug hier durchkam, soll er 1811 in Bezug auf Büderich lapidar bemerkt haben „dieses Nest da muss weg“. Auf dem Rückzug nach seiner Niederlage zwei Jahre später beauftragte er dann tatsächlich die Zerstörung des Städtchens, um freies Schussfeld zu haben. Die Einwohner hatten gerade einmal zwei Tage Zeit um ihr Hab und Gut zu packen und ihre Häuser zu verlassen. Der Gedenkstein an der Weseler Straße erinnert heute an das alte Büderich. Immerhin wurde der Wert der Gebäude geschätzt und später als Entschädigungssumme zumindest halbwegs zurückerlangt. Und ganz schlecht hatten es die Büdericher nach diesem Schock am Ende nicht getroffen, denn Preußen baute den Ort zwischen 1815 und 1822 als „Neu-Büderich“ mehr als doppelt so groß weiter südlich wieder auf. Die preußische Handschrift unter Vorgaben des Militärs erkennt man bis heute am leicht trapezförmigen Grundriss und den sehr breit angelegten Straßen. Durch diese Bauweise war ein besserer Überblick und falls nötig auch Durchschuss zur Verteidigung möglich. Der Bau einer Siedlung so nah am Fort wurde vom Militär nur mit den speziellen Auflagen genehmigt.

Und die klassizistischen Bauten der beiden Kirchen am Marktplatz nach den Entwürfen Karl Friedrich Schinkels sind als Teil des Gesamtensembles Neu-Büderich einzigartig und lohnen unbedingt einen Besuch. 

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Neu-Büderich

Auf dem Reißbrett geplant: Neu-Büderich

Zu allen Zeiten mussten Menschen vor Krieg und Zerstörung flüchten und konnten lange Lieder davon singen, was es heißt, „Spielball der Mächte“ zu sein. Wer zwischen die Fronten gerät, hat eben Pech, da wird bis heute nicht lange gefackelt. Früher konnte auch bei uns schon mal ein ganzes Dorf dem Erdboden gleich gemacht werden, wenn es nur dem Sieg dienlich schien. Ein solches Bauernopfer war auch Büderich, das zur falschen Zeit am falschen Ort lag. Denn die direkt gegenüber liegende rechtsrheinische Festung Wesel bildete seit 1805 den äußersten Punkt des napoleonischen Reiches und wurde in den folgenden Jahren zu einem Bollwerk der Verteidigung ausgebaut. Zwei Forts wurden errichtet, eines auf der Büdericher Insel, das andere direkt vor den Toren Büderichs. Und schon als Napoleon auf dem Weg zu seinem Russlandfeldzug hier durchkam, soll er 1811 in Bezug auf Büderich lapidar bemerkt haben „dieses Nest da muss weg“. Auf dem Rückzug nach seiner Niederlage zwei Jahre später beauftragte er dann tatsächlich die Zerstörung des Städtchens, um freies Schussfeld zu haben. Die Einwohner hatten gerade einmal zwei Tage Zeit um ihr Hab und Gut zu packen und ihre Häuser zu verlassen. Der Gedenkstein an der Weseler Straße erinnert heute an das alte Büderich. Immerhin wurde der Wert der Gebäude geschätzt und später als Entschädigungssumme zumindest halbwegs zurückerlangt. Und ganz schlecht hatten es die Büdericher nach diesem Schock am Ende nicht getroffen, denn Preußen baute den Ort zwischen 1815 und 1822 als „Neu-Büderich“ mehr als doppelt so groß weiter südlich wieder auf. Die preußische Handschrift unter Vorgaben des Militärs erkennt man bis heute am leicht trapezförmigen Grundriss und den sehr breit angelegten Straßen. Durch diese Bauweise war ein besserer Überblick und falls nötig auch Durchschuss zur Verteidigung möglich. Der Bau einer Siedlung so nah am Fort wurde vom Militär nur mit den speziellen Auflagen genehmigt.

Und die klassizistischen Bauten der beiden Kirchen am Marktplatz nach den Entwürfen Karl Friedrich Schinkels sind als Teil des Gesamtensembles Neu-Büderich einzigartig und lohnen unbedingt einen Besuch. 

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